Backengrillen – Backengrillen

| 19. Januar 2026 | 0 Comments
Backengrillen

(c) Fredrik Lyxzén

Mit 21.12.2025 verabschiedeten sich Refused zum zweiten und höchstwahrscheinlich letzten Mal. Auf neue Musik von den schwedischen Post-Hardcore-Innovatoren muss man jedoch nicht verzichten, bloß unter anderem Namen und mit neuer Ausrichtung. Dennis Lyxzén, Magnus Flagge und David Sandström treffen auf den für die jazzige Instrumentierung verantwortlichen Mats Gustafsson. Gemeinsam ging man als Backengrillen mit der Idee ins Studio, Death- und Doom-Arrangements sowie Noise-Riffs komplett zu dekonstruieren und in ein komplett neues musikalisches Umfeld einzubetten. Das erste Album heißt einfach nur „Backengrillen“ und verbindet Jazz mit Metal und Hardcore.

Fünf überlange Songs zwischen sechs und zwölf Minuten stellen Hörgewohnheiten auf die Probe. Das versucht bereits das eröffnende „A Hate Inferior“ so finster und unbequem wie möglich. Aus dem langen, ominösen Intro erhebt sich nach und nach schemenhafter Wahnsinn, den Lyxzén mit wachsender Begeisterung zerschreit. Das Tempo ist eher doomig, die Grundidee metallisch, doch sorgt das Saxofon für Entfremdung. Grandiose Vocals treffen auf jazzige Improvisation, etwaige Grenzen werden sofort pulverisiert. Und doch kommt das Ding nicht so recht aus dem Quark, schleppt sich schwerfällig voran und langt nach einem falschen Ende noch einmal beherzt zu.

Darauf muss man sich erst einmal einlassen, keine Frage. In „Backengrillen“, dem Titelsong von „Backengrillen“, bringen Backengrillen sich und allen anderen erst einmal die Flötentöne bei. Das ist aber keine Jam-Session mit Jethro Tull-Beigeschmack geworden, keine Sorge, sondern ein sorgsames Spiel mit Loops und Wiederholungen, von noisiger Kratzbürstigkeit, Prog und Art Rock gezeichnet. Dem Bass wird hier eine wichtige Rolle zuteil. „Repeater II“ geht es tatsächlich ein wenig schneller und sogar funkiger an, während „Dör för långsamt“ mit Doom-Jazz und spitzen Schreien aus dem Nirgendwo spielt. Das schemenhafte, sich in der zweiten Hälfte zerfleischende Finale „Socialism Or Barbarism“ tut dann noch einmal richtig schön weh, weil die Band gefühlt gegeneinander anspielt, wenngleich mit Erfolg.

Leichte Kost ist das hier natürlich nicht – keine Überraschung, möchte man sagen. Backengrillen überspannen den Bogen mit wachsender Begeisterung und spielen Musik für Geduldige, auf die man sich erst einmal einlassen muss. Das lohnt sich aber, denn hinter der kruden Mission, ruppige und raue Rock- und Metal-Klänge zu dekonstruieren, steckt erstaunliches Feingefühl. Vier Meister der Improvisation gestalten Jazz so progressiv und extrem wie nur wenige andere Acts. Gewisse Refused-Reste bleiben auf angenehme Weise erkennbar, das Unvorhersehbare hat Jam-Methode. Das hat man von Lyxzén und Konsorten vielleicht nicht erwartet, doch spannend ist es allemal, dieses Backengrillen-Debüt. Das Mascherl zerlegt sich von ganz allein.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 23.01.2026
Erhältlich über: Svart Records (SPV)

Bandcamp: backengrillen.bandcamp.com

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Category: Magazin, Reviews

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