Orsak:Oslo – Silt And Static

| 15. Dezember 2025 | 0 Comments
Orsak:Oslo

(c) David Holmqvist

Keine übermäßige Vorbereitung, kein kompliziertes Konzept: Orsak:Oslo gingen es auf ihrem neuesten Longplayer bewusst spontan an. Sie stellten sich an ihre Instrumente, schalteten das Aufnahmegerät ein und machten einfach. Die Songs fanden das schwedisch-norwegische Quartett wie von alleine. Selbst nennen sie es ihr ehrlichstes, emotional aufgeladenstes Album, ohne bestimmten Plan oder Ziel, dafür von dichter Atmosphäre ummantelt. „Silt And Static“ treibt den instrumentalen Ansatz der Band neuen Höhen entgegen.

„082 Biting In“ eröffnet die Platte mit mehr als achteinhalb Minuten Suche nach dem magischen Moment – ohne zu merken, dass dieser längst gefunden war. Vorsichtig tasten sich Orsak:Oslo in den Song hinein, erst nach über einer Minute nimmt das Geschehen etwas Fahrt auf. Butterweiche und doch intensive, ausdrucksstarke Gitarren beschwören eben jene mächtige Atmosphäre herauf, nach einer kurzen Zäsur in der Mitte darf der Track endgültig abheben. Der obligatorische Post-Rock-Höhepunkt bleibt jedoch nur eine kurze Randnotiz, denn die krautige Getriebenheit des Seins dominiert durchgehend.

Und so hält das Quartett weniger denn je von klassischem Songaufbau und lässt die Musik einfach fließen. In „088 The Onward Stride“ sind es kauzige, knarzende Gitarrentöne, die der forschen Rhythmusabteilung monolithische Antipathie entgegenstrahlen. Dieser unbequeme und zugleich fieberhafte Drive bleibt bestehen. Hingegen fällt „083 Drive“ mit einer gewissen Heavyness samt Tür ins Haus, bevor feinsinnige Spannungsbögen mit melodischen Ansätzen, progressiver Note und einem ausgedehnten minimalistischen Mittelteil anbandeln. Das große Finale schaltet zwar einen Gang höher, bleibt aber dennoch vornehm zurückhaltend – quasi sinnbildlich für das gesamte Album.

Denn Orsak:Oslo gehen nur selten wirklich aus sich heraus und lassen sich stattdessen von der Musik treiben, in alle Himmelsrichtungen und wohin es sich gerade richtig anfühlt. Atmosphäre reift tatsächlich zum Schlüsselwort, gerade wenn die vertraute, erwartete Dynamik Pause macht. Stattdessen leben die einzelnen Songs von bedrohlichem Aufbäumen, von Traumwandlerei, von Selbstbewusstsein und Fragilität. „Silt And Static“ nutzt jeden Atemzug und wächst – ein grandioses Kopfhöreralbum, das in neue Sphären entführt. Wieder und wieder.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 05.09.2025
Erhältlich über: Vinter Records

Website: www.orsakoslo.com
Facebook: www.facebook.com/orsakoslo

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Category: Magazin, Reviews

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