Believe In Nothing – Rot

| 28. Oktober 2025 | 0 Comments
Believe In Nothing

(c) 6666Len

Abstoßendes Eastbourne – nein, nicht etwa die Stadt am Meer an sich, sondern Believe In Nothing, ihre Söhne. Die kultivieren Mut zur Hässlichkeit auf besondere Weise – siehe die betont brutalen Artworks, die zermürbenden Live-Shows und die verrottenden Schweineherzen, die Frontmann Caine Hemmingway in einer Schachtel mit sich trägt. Passend dazu gestaltet sich die Musik, zwischen Noise, Sludge, Blackened Hardcore und ähnlich fatalistisch bis lautstark überfordenden Gefilden angesiedelt. Nur etwas mehr als zwei Jahre nach der Gründung erscheint mit „Rot“ das erste komplette Album.

Ein Hieb in die Magengrube verfehlt seine Wirkung nie. „Gut“ hebelt die Magenflora mit Anlauf aus, beginnt jedoch gemächlich und ominös. Der ruhige, brodelnde Aufbau hat fast Post-Punk- und Dark-Wave-Qualitäten, wenngleich Hemmingways erst skandierte, dann wütend und verzerrt brüllende Vocals schnell und umfassend dagegensteuern. Irgendwann setzt die Band ein und schafft zermürbende, dennoch nahezu bekömmliche Sludge- und Noise-Wände, die wieder und wieder zulangen. Auch „The Children Are Cattle“ mag es vergleichsweise kurz und knapp, lebt jedoch von grollenden Bassläufen und wiederholten kurzen Attacken, bevor sich die Ereignisse im überlauten, nahezu industriellen Schlussakt überschlagen.

„Boiling Stone“ kocht in aller Gemächlichkeit hoch und wird von ellenlosen Noise-Schleifen zersetzt. Statt Chaos setzt es jedoch Doom-Sludge-Heavyness, die sich wieder und wieder berappeln muss, fast aus dem Tritt gerät und den steten Anlauf zur Kraftquelle erklärt. Und doch sind es die mächtigen Zäsuren, die diesen Giganten spannend machen. In „Complete Desolation“ ist es hingegen die totale, kompromisslose Wut, die alles in die Knie zwingt und mit dröhnender Wucht zermürbt. Am Ende bleibt nur der fast sieben Minuten lange Titelsong, der weitestgehend auf Abstrahierung setzt, nur um aus dem Nichts in die Rumpelkammer zu geraten und tiefste Schwärze zu propagieren.

Selbst für Genre-Verhältnisse ist das hier unheimlich schwere, kaum zu überwindende Kost, die massig Geduld verlangt. Believe In Nothing lieben und zelebrieren ihren Nihilismus mit großer Begeisterung, die selbstverständlich nie gezeigt wird. Stattdessen erweist sich „Rot“ als unerwartet dynamisch und raffiniert ausgearbeitet, weil hinter der Fassade noisige Cleverness lauert. Der Mut zur Zäsur ist eine der großen Stärken, gerade im Angesicht erdrückender Sludge-Wände. Wiederholt droht die Kontrolle zu entgleiten, während Hässliches und Abstoßendes in all seinen mannigfaltigen Ausdrucksformen in den Vordergrund rückt. Kein Album für zwischendurch, sondern pure Erdrückung als Reaktion auf eine widerwärtige Welt – eigentlich ganz gut, diese Believe In Nothing. Daran kann man zumindest glauben.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 31.10.2025
Erhältlich über: Church Road Records

Bandcamp: believeinnothing.bandcamp.com
Instagram: www.instagram.com/believeinnothing_noise

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Category: Magazin, Reviews

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