Elbe – Peculiar

| 21. September 2025 | 0 Comments
Elbe

(c) Veronika Kralik

Zwei Gitarristen riefen vor ein paar Jahren ein Projekt ins Leben, um das tschechische Altvatergebirge zu vertonen – ein gewiss ungewöhnlicher Ansatz für rein instrumentalen Post Rock. Nach und nach entwickelten sich Elbe jedoch zur kompletten Band inklusive Sänger, veröffentlichten bislang zwei Alben und gingen zuletzt mehr und mehr in eine metallischere Richtung. 2023 gab es einen Wechsel an vorderster Front, die Vocals übernahm Pavel Hrncir. Aus der gemeinsamen Erkundung des eigenen Sounds ging das Quintett gestärkt hervor und landet mit „Peculiar“ nun beim Argonauta-Imprint Octopus Rising.

Textlich setzt man auf eine Sammlung verschiedener persönlicher Geschichten und Eindrücke, die sich mit komplizierten Beziehungen, Existenzängsten und Verlusten beschäftigen, dabei aber stets um Hoffnung bemüht sind. So lässt sich die willkommenermaßen widersprüchliche Grundstimmung des Openers „Sen“, der hörbar zwischen allerlei Extremen eine Art innere Mitte sucht, umschreiben. Melodische Ansätze, bleierne Schwere und fast meditativer Gesang zeichnen ein abstraktes Bild, die zittrige und doch anmutige Präsentation geht ebenso unter die Haut wie die erstaunlich beklemmenden, mit Dark Metal flirtenden Strophen von „You & Me And The End“. Elbe spielen geschickt mit Gothic-Einflüssen und fühlen sich dort hörbar wohl, während der Chorus fast hymnisch ausfällt.

Hingegen mutiert „Slow Down!“ nach und nach zum Post-Metal-Lehrstück, serviert ominöse Finsternis und brachiale Heavyness, von ätherischen Doom-Klängen zart umspielt. Nach und nach finden die Spuren und Handlungsstränge zusammen, obligatorische Zäsur inklusive, bevor das massive und zugleich hoffnungsvolle Finale abräumt. „Never Again“ sagt man da sicher nicht, wobei dieser angenehm harte, mit infernalen Growls ausgestattete Track bisherige Eindrücke geschickt auf den Kopf stellt und massivste, nahezu undurchdringliche Wände hochzieht. Die bleierne Präsentation und die erstaunlich schrillen, vertrackten Dissonanzen bringen den Tschechen komplett neue Töne bei, die ihnen ebenfalls bestens zu Gesicht stehen.

Neuer Sänger, neues Glück: Elbe setzen ihren behutsamen Aufstieg konzentriert und souverän fort. In jedem einzelnen Track verdichten sie gerne konträre, doch stets hochgradig spannende emotionale Konstrukte mit wachsender Begeisterung und erzeugen pure Magie. Das Ergebnis klingt roh, spontan und doch perfekt aufeinander abgestimmt, lebt von starkem Songwriting, das dennoch einen willkommenen Grat an Spontanität zumindest andeutet. „Peculiar“ lässt die Wogen hochgehen, beherrscht Intimität ebenso wie monumentale Urgewalt und bringt die Tschechen nach und nach in Position als eine der interessanten Post-Metal-Bands des Kontinents.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 26.09.2025
Erhältlich über: Octopus Rising / Argonauta Records

Facebook: www.facebook.com/elbeband

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Category: Magazin, Reviews

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