Obey The Brave – Balance

| 15. Juli 2019 | 0 Comments
Obey The Brave

(c) Alexandre Brault

Obwohl Obey The Brave die große Metalcore-Welle der 2000er Jahre verpasst haben, pflegen die Kanadier dennoch einen herrlich kompromisslosen und zugleich eingängigen Stil, der auch vor 15 Jahren prima funktioniert hätte. Seit 2012 veröffentlicht das Quintett fleißig Platten, tourt rund um die Welt, erneuerte zwischendurch das Line-up und musste sich mit diversen Rückschlägen zwischen Ungustl-Promotern und Studio-Fehlstarts herumschlagen. „Balance“ ist bereits ihr viertes Studioalbum.

Freilich, über die Bezeichnung ‚Album‘ lässt sich trefflich streiten, denn selbst für Genre-Verhältnisse sind 26 Minuten ein Hauch von nichts. Das stört aber kaum, denn die neun neuen Tracks gehen ordentlich nach vorne. Ein „Cold Summer“ lässt die Muskeln spielen mit fiesen Shouts, nur um urplötzlich den eingängigen, durchaus hymnischen Refrain mit Klargesang aus dem Dickicht zu pressen. Das mag vielleicht nicht innovativ sein, muss es auch nicht. Greifbare Spielfreude und spürbares Herzblut machen diesen vermeintlichen Makel wett und führen durch die gesamte Platte.

Die Hits wären schnell gefunden: „Balance“, der Titelsong, wäre in 100 Sekunden abgefrühstückt und zählt zu den härtesten Tracks der Bandgeschichte. Furioser Hardcore Punk mit explosivem Chorus – es kann so einfach sein. In „Calme Le Jeu“ singen und brüllen Obey The Brave auf Französisch. Was zunächst ungewohnt wirkt, bleibt schnell hängen und will, auch ohne den Text zu verstehen, mitgebrüllt werden. Den größten Metalcore-Abräumer setzt es allerdings gleich zu Beginn. „No Apologies“ nimmt wirklich alles mit, was das Genre ausmacht, und brennt sich binnen Sekunden im Kleinhirn ein.

„Balance“ gewinnt keinen Originalitätspreis – das war vielleicht schon vor dem Abspielen klar. Und doch haben sich Obey The Brave gleich mehrere offenen Ohren verdient, denn ihr angenehm eingängiger, Hook-lastiger und doch kompromissloser Sound gestaltet sich charmant, kurzweilig und wie für den Pit geschaffen. Ihr viertes Studioalbum mag etwas sehr kurz aufgefallen sein, dafür setzt es fast durchgehend Hits und keinen einzigen Durchhänger. So und nicht anders muss Metalcore 2019 klingen.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 19.07.2019
Erhältlich über: Impericon Records

Website: www.obeythebrave.com
Facebook: www.facebook.com/obeythebrave

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Category: Magazin, Reviews

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