Long Distance Calling – Boundless

| 2. Februar 2018 | 0 Comments
Long Distance Calling

(c) Michael Winkler

Zurück zu den Wurzeln: Long Distance Calling sind jetzt wieder unter sich. Kein einziger Sänger – weder fix im Line-up integriert noch als Gast – säumt aktuell die manischen Post-Rock-Exkurse der deutschen Nachbarn. Die Entwicklung weckt Interesse, zumal das vor allem von Petter Carlsen gestützte „TRIPS“ war durchaus gewöhnungsbedürftig, wenn auch ansprechend. Nun geht es gewissermaßen wieder auf Anfang – vier Instrumentalisten, so wie auch im Proberaum. „Boundless“ erinnert an die Anfangstage und denkt den LDC-Sound doch konsequent weiter.

Der fehlende Gesang stört nicht, das sei vorneweg gesagt. Beinahe puristisch mutet dieser Ansatz nach den letzten Platten an, hat aber durchaus Sinn, weil es musikalisch noch eine Spur weiter hinaus ins Glück geht. „Like A River“ bringt das fehlende Scheuklappendenken des Quartetts auf den Punkt. Schon zu Beginn schleicht sich dezenter Western- und Americana-Twang ein, schließlich wird eine Art Post-Rock-Interpretation der letzten Calexico-Platten aus dem Fünfminüter – sehr eigentümlich und doch hochgradig spannend. Das gilt auch für die komplexen Beat- und Loop-Konstrukte von „On The Verge“, dessen Umgang mit semi-synthetischen Sounds durchaus krautigen Charme annimmt.

Und dann sind da noch die traditionellen Tracks, episch und stellenweise durchaus knüppelhart. „Ascending“ erinnert ein wenig an die Anfangstage, nimmt immer mehr Fahrt auf und tauscht die erwartete Mega-Explosion schließlich gegen dichte Melodie- und Riff-Teppiche – klare und doch so harmonische Linie. Wer es wilder mag, lässt sich den durchaus manischen Rausschmeißer „Skydivers“ um die Ohren rattern. Hier wird es zeitweise durchaus metallisch mit Doublebass-Salven, bissigen Riffs, ein wenig Gift und Galle. Ähnlich knackig explodiert nur der überlange Opener „Out There“ nach pointiertem Aufbau.

Zwei Schritte zurück für einen kräftigen Sprung nach vorne – retro und zugleich der Zeit voraus. „Boundless“ lässt Long Distance Calling frisch und doch vertraut klingen, nimmt das beste der letzten beiden Platten mit und besinnt sich doch wieder auf die ausladenden Anfangstage. Experimentelle Einschübe, zarte Epik und bärbeißige Salven geben sich 50 Minuten lang die Klinke in die Hand – ein erfrischendes Lebenszeichen für Klangreisende mit guten Kopfhörern.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 02.02.2018
Erhältlich über: Inside Out Music (Sony Music)

Website: www.longdistancecalling.de
Facebook: www.facebook.com/longdistancecalling

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Category: Magazin, Reviews

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