Long Distance Calling – Nighthawk

| 4. August 2014 | 0 Comments

Long Distance Calling

Long Distance Calling haben ein großes Problem: Ideen en masse. Während die Arbeiten an einem Nachfolger zu „The Flood Inside“, dem überaus gelungenen Einstand von Sänger Martin Fischer, bereits in vollem Gange sind, ließ man sich einen kleinen Nebenschauplatz von den treuesten Fans direkt finanzieren: eine Instrumental-EP, für die eine erfolgreiche Pledgemusic-Kampagne gelauncht wurde. Sämtliche Pledger haben „Nighthawk“, so der Name der Platte, bereits erhalten, ein Restkontingent ist aktuell im Online-Shop der Band erhältlich.

Vorbereitungsarbeit wird im Übrigen überbewertet – „Nighthawk“ ist eine Jam-Platte. Einerseits fehlen somit fein säuberlich ausgearbeitete und geschliffene Arrangements, andererseits fördert die spontane Auslegung dieser EP interessante Momentaufnahmen zu Tage; Momentaufnahmen, die einzig nach ihren Spielzeiten benannt werden. „NH 1100“ ist somit, wenig überraschend, ein elf Minuten langer Gigant und mit Abstand längster Track dieser Jam-Session. Dass bereits kurz vor der Sieben-Minuten-Marke hätte Schluss sein können – geschenkt, denn das donnernde Finale nach dem elektronischen Break ist sicher nicht schlecht, wohl aber im Vergleich zum vorher gehörten, monolithischen Aufbau alles andere als essentiell.

Man beschwert sich auf hohem Niveau, gleitet wenig interessiert über die kurzen, weitestgehend elektronischen Zwischenspiele hinweg (obwohl die Floyd-Gitarre in „NH 0223“ durchaus ihren Reiz hat) und feiert vor allem das Schlussdoppel. „NH 0713“ und „NH 0423“ spannen den Bogen von knusprigem, mythischem Prog zwischen Anathema und Porcupine Tree zu knüppelharten, überraschend metallischen Passagen. Ein wenig fühlt man sich an den Esprit des Debütalbums erinnert.

Roh, ungeschliffen, pulsierend und mit ein wenig Verschnitt präsentiert sich „Nighthawk“ – und somit den Erwartungen entsprechend. Nein, leicht oder gar zugänglich fällt die EP nicht aus. Gerade in dieser naturbelassenen, stellenweise geradezu hingerotzen Art liegt der Reiz dieses Jams: Long Distance Calling geben sich ungewohnt sperrig und doch melodisch, brachial und doch episch-verträumt. Auch wenn die überlebensgroßen Momente der letzten beiden Alben fehlen, so hat „Nighthawk“ als Momentaufnahme, als Mission-Statement Reiz und Mehrwert. Es geht eben auch anders.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 01.08.2014
Erhätlich über: Avoid The Light Records

Website: www.longdistancecalling.de
Facebook: www.facebook.com/longdistancecalling

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Category: Magazin, Reviews

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