Rosetta – Utopioid

| 19. Januar 2018 | 0 Comments
Rosetta

(c) Pelagic Records

Die größten Herausforderungen stellen sich Rosetta immer noch selbst. Wie, oh wie, wollen sie einen Opus Magnus vom Kaliber eines „Quintessential Ephemera“ toppen? Das erste Album als Quintett setzte im Sommer 2015 Maßstäbe im weiten Post-Feld, verband natürliche Schönheit mit abstoßender Hässlichkeit und verkrustetem Weltschmerz. Wie schon besagtes Meisterwerk erschien auch „Utopioid“ zunächst digital in Eigenregie, nur um jetzt mit Pelagic Records einen mehr als passenden Partner für den physischen Release gefunden zu haben.

In 62 Minuten schlagen die US-Amerikaner in alle Richtungen aus, nur um schließlich doch wieder sanft in den Arm zu nehmen. Eines jener Stücke, denen dies meisterhaft gelingt, ist „Qohelet“. Hier erweisen sich Rosetta als Meister des Spannungsaufbaus mit ominös-melodischem Minimalismus, der sich von Minute zu Minute weiter verdichtet und schließlich den vielleicht fatalsten Wutausbruch dieser Platte zulässt. Kurzzeitig taucht das Quintett in Sludge-Gefilde ab – immer wieder, zum Schluss hinaus in wahrhaft bärbeißiger Härte.

Solche Extreme sind stete Begleiter von „Utopioid“, auch wenn es natürlich auch in eine ganz andere Richtung ausschlagen kann. So zählt „Intrapartum“ über weite Strecken zu den eingängigsten Songs dieses Albums, lebt von Eric Jernigans fragilem Gesang und durchaus ätherischen Klängen. Natürlich wird es auch hier zwischenzeitlich eine Spur intensiver, wenn auch in scheinbar geregelteren Bahnen. Im neunminütigen „Hypnoagogic“ balancieren Rosetta sogar durchgehend an der Grenze zur Explosion, halten sich aber doch in butterweichen, proggigen Gefilden auf. Das wirkt angenehm anders und auf ungewöhnliche Weise faszinierend.

Über eine Stunde große Klangkunst und selbst in den Zwischenspielen oder dem überlangen Outro keine Sekunde langweilig: Rosetta perfektionierten ihren Stil auf „Quintessential Ephemera“ und ernten mit „Utopioid“ nun die wohlverdienten Früchte ihrer Arbeit. Konstant auf höchstem Niveau operierend, nie um einen kreativen Hakenschlag verlegen, dabei zugleich so sanft und brutal wie noch nie – an den Herren aus Philadelphia ist im atmosphärisch angeproggten Post-Bereich aktuell kein Vorbeikommen.

Wertung: 9/10

Erhältlich ab: 19.01.2018
Erhältlich über: Pelagic Records (Cargo Records)

Website: www.rosettaband.com
Facebook: www.facebook.com/rosettaband

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Category: Magazin, Reviews

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