Nidingr – The High Heat Licks Against Heaven

| 6. Februar 2017 | 0 Comments
Nidingr

(c) Jon Levi Pedersen

Seit 1992 aktiv, dauerte es stolze Jahre, bis sich Nidingr zum Release ihres ersten Albums aufraffen konnten. Seither arbeiten sich die Norweger konstant an die Spitze der etwas anspruchsvolleren, kunstvollen Seite von Black Metal heran, ohne dabei auf dessen rumpelnde Wurzeln zu vergessen. Für „The High Heat Licks Against Heaven“ setzten sich die Herren zwei Jahre mit der Lieder-Edda und der Snorra-Edda auseinander; Musik und Texte entstanden getrennt voneinander.

Diese unorthodoxe Herangehensweise gepaart mit einem Sound, der Puristen etwas verstören dürfte, entwickelt sich in Windeseile zu einer durch die Bank faszinierenden Tour de Force. Angefangen beim furiosen „Hangagud“, stoßen sich Nidingr in höllische Abgründe, die von einer Mischung aus furioser, roher Energie und beinahe avantgardistischen Anleihen begleitet werden. Besagter Opener setzt auf die punkigen Wurzeln des Genres, kleines Gitarrensolo inklusive, und torpediert die alte Schule mit Brachialgewalt.

Mehr und mehr nehmen Nidingr das Tempo heraus, bis sie in „The Ballad Of Hamther“ so etwas wie Groove antäuschen und mit wütenden, unverzerrten Schreien über wilde Midtempo-Kaskaden reiten. Der experimentelle Ansatz funktioniert nicht immer, beispielsweise im ziemlich egalen „Heimdalargaldr“ oder dem auf Atmosphäre und Dark Metal fokussierten Rausschmeißer „Naglfar Is Loosed“. Und doch bleiben diese Exkurse nur kleine Schönheitsflecken neben der selbstzerfleischenden Katastrophe „On Dead Body Shore“, dessen innere Zerrissenheit bewegt und aufwühlt – vielleicht sogar der beste Track der Norweger bis dato.

Natürlich will „The High Heat Licks Against Heaven“ kein Album für Black-Metal-Puristen sein. Natürlich wagen sich Nidingr stellenweise zu weit hinaus und stehen sich mit ihrer avantgardistischen Experimentierfreudigkeit gelegentlich selbst im Weg. Und doch birgt dieser mutige, herausfordernde Umsatz eine Reihe großartiger Momente, darunter das epische „On Dead Body Shore“ in sich, die immer und immer wieder zu begeistern wissen, ja sogar zum Eigenstudium der Edda ermutigen. Welch Monstrosität!

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 10.02.2017
Erhältlich über: Indie Recordings (Soulfood Music)

Website: nidingr.no
Facebook: www.facebook.com/nidingr

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Category: Magazin, Reviews

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