Esben And The Witch – Older Terrors

| 4. Januar 2017 | 0 Comments
Esben And The Witch

(c) Season of Mist

Auf der Suche nach dem perfekten Sound sind Esben And The Witch – geographisch wie musikalisch – nun in Berlin angekommen. Die Reise aus England war lang und brachte gleich mehrere klangliche Stufen der Evolution, ja sogar eine eigene Plattenfirma mit sich. Mittlerweile bei Season of Mist angekommen, treibt es das Trio auf „Older Terrors“ nun konzeptuell auf die Spitze: vier Songs, jeweils 10-13 Minuten lang, und noch eine Spur düsterer.

Treibender Minimalismus und Rachel Davies‘ leichter, butterweicher Gesang sind die Zutaten für schlagkräftige Mini-Epen. Wie der Gesang der Britin über den Arrangements schwebt und diese schließlich sukzessive gen Abgrund führt, sorgt gleichermaßen für Begeisterung und Bestürzung. Ein „Sylvan“ scheint eine gefühlte halbe Ewigkeit zu brauchen, um einigermaßen in die Gänge zu kommen, doch gerade in diesem zähen, behänden Aufbau liegt Methode. Wenn schließlich, immer wieder, verzerrte Gitarren einsetzen, wenn Davies ein wenig lauter wird, wenn die Esbens gen Abgrund ziehen, bleiben offene Münder zurück.

In dieser Güteklasse spielen sich auch die übrigen Songs ab, obwohl diese nicht immer frei von Schwachstellen sind. Gerade zwischendurch bleibt etwas viel Luft und ein „The Reverist“ kommt erst viel zu spät aus dem Quark. Manchmal wirken die Tracks nur der zweistelligen Minutenzahl wegen in die Länge gezogen. Kaum wird man zynisch, schlagen wieder der wilde Twist von „Making The Heart Of A Serpent“ oder die fragile Schönheit von „The Wolf’s Sun“ mit herrlich waberndem Basslauf zu und man fragt sich, was da eigentlich gerade mit einem geschehen ist.

Kleine Schönheitsfehler lassen sich leider nicht verhehlen, was angesichts der eigentlichen Klasse dieser Platte überaus schade ist. Vor allem aber lebt „Older Terrors“ von seiner überaus dichten, höchst verführerischen Atmosphäre. Einmal zugeschnappt, kann man sich dem Sog an Emotionen kaum entziehen. Das spektakuläre und doch karge Ergebnis spricht für sich: Esben And The Witch sind tatsächlich angekommen und zeigen sich zugleich so unwirtlich wie nie zuvor. In der süßlich-bitteren Ablehnungshaltung verbergen sich große emotionale Momente.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 04.11.2016
Erhältlich über: Season of Mist (Soulfood Music)

Website: esbenandthewitch.co.uk
Facebook: www.facebook.com/esbenandthewitch

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Category: Magazin, Reviews

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