Sinsaenum – Echoes Of The Tortured

| 27. Juli 2016 | 0 Comments
Sinsaenum

(c) Peccatum Records

Der Sommer mutiert mehr und mehr zur Zeit für Allstar-Bands. Jahr für Jahr tauchen neue Projekte auf, auch wenn nicht alle wirklich zu überzeugen vermögen. Bei Sinsaenum steht, Namen und Horror-Grundidee hin oder her, aber die Musik im Vordergrund. Frédéric Leclerq (DragonForce) und Stéphane Buriez (Loudblast) scharten so illustre Namen wie Attila Csihar (Sunn O))), Mayhem), Heimoth (Seth), Sean Zatorsky (Daath, ex-Chimaira) und den umtriebigen, medial dauerpräsenten Ex-Slipknot-Drummer Joey Jordison um sich. Jedes Bandmitglied brachte Storyline- und Musik-Ideen ein, auf Platte regieren Black- und Death-Extreme. „Echoes Of The Tortured“ hat seinen Namen auch verdient.

Bei dieser guten Stunde Musik ist für hohen Unterhaltungswert gesorgt. Zwischen so ziemlich jedem Track warten kleine und große Interludes, welche die Geschichte vorantreiben und somit konzeptuelle Verbindungen herstellen – daher auch die stolze Tracklist mit 21 Titeln. Musikalisch regieren jedoch knackige Direktheit und Power, gesäumt von Riffs, die auch bei Morbid Angel, Cannibal Corpse, ja sogar frühen Death funktioniert hätten. Ein „Army Of Chaos“ treibt beispielsweise fünf Minuten lang die eierlegende Wollmilchsau vor sich hin, getragen von zwei Ausnahme-Vokalisten mit einer deutlichen Vorgabe: Death-Metal-Stylings ja, aber verständlich muss es sein. Statt Gegurgel also Fast-Gesang und knurrende Aggression, dazu scheppernde Kessel und präzise Riffs.

Das liest sich nun nicht zwingend originell, macht aber dennoch Laune, weil hier hörbar echte Experten ihres Fachs am Werk sind. Zu den anspruchsvollsten Exkursen der Platte zählt „Anfang des Albtraumes“, das brachial beginnt, zwischendurch immer wieder synthetisch-nachdenkliche Zwischenspiele einbaut und schließlich Csihars verstörenden Grabesgesang über das chaotische Arrangement kreisen lässt. Ab und an darf es auch etwas direkter sein: „Inverted Cross“ verfügt über ausgeprägte schwarze Energie und „Sacrifice“ lässt stellenweise die seit Jahren untergetauchten Daath vermissen.

Wohl liegt die größte Herausforderung dieses Debüts in der schieren Menge des Materials begründet. Interludes hin oder her, 62 Minuten sind ne Menge Holz und lassen ebenso Raum für ein wenig Füllmaterial. „Echoes Of The Tortured“ trotzt diesen schwierigen Voraussetzungen mit richtig gutem Songmaterial, wuchtig knallenden Arrangements und der geballten Expertise von sechs metallischen Vollprofis. Stets der kompletten Eskalation und musikalischen Entgleisung nahe, wecken Sinsaenum Freude auf weitere Zusammenkünfte dieser Musiker mit einer herzhaft derben und zugleich cleveren Anti-Sommer-Platte.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 29.07.2016
Erhältlich über: Peccatum Records / earMUSIC (Edel)

Website: www.sinsaenum.com
Facebook: www.facebook.com/Sinsaenum

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Category: Magazin, Reviews

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