Kokomo – Monochrome Noise Love

| 10. Februar 2016 | 0 Comments
Kokomo

(c) Marvin Böhm

Belanglosigkeit, unnötige Wiederholungen, Endlosschleifen und fehlende Erzählstränge – Symptome, an denen viele Instrumental-Hopefuls erkranken. Nicht so Kokomo aus Duisburg, die mittlerweile einiges an Erfahrung angesammelt haben und erstmals als Quintett arbeiten konnten. Für „Monochrome Noise Love“ haben sich die deutschen Nachbarn alle Zeit der Welt genommen und eben kein Konzeptalbum aufgenommen. Stattdessen wagen sie über stattliche 70 Minuten eine aufwühlende Reise durch gängige Klangsphären.

Kokomo beweisen Mut zur Unvollkommenheit und versuchen erst gar nicht ihre Monolithen bis zur Unkenntlichkeit glatt zu schleifen. So wird „Pills And Pillows“ mit dem entstellten Vocal-Sample und langsamen Noise-Fade in den ersten Minuten tatsächlich zur Geduldsprobe. Erst wenn nach knapp drei Minuten schwere, beinahe doomige Gitarren durch das reduzierte Dickicht schnellen, wird es langsam aber sicher interessant. In weiterer Folge entwickelt sich der erste von vielen erhabenen Giganten, die sich durch beeindruckende Energie und einen fiesen Hang zur Düsternis auszeichnen, große Abschluss-Explosion inklusive.

Natürlich, möchte man beinahe sagen, wird es zum Abschluss laut – ein beliebtes Post-Rock-Muster, hier jedoch gar vorzüglich eingesetzt. Wie Songaufbau funktioniert, demonstriert das aufeinanderfolgende Doppel „Licht/Staub“ und „Jüngling mit Apfel“; ersterer schroff und zum Ende hin überraschend majestätisch, zweiterer ein Lehrstück in Gitarrensound und rhythmischer Detailarbeit. Nicht genug? Dann am besten das große Finale „Deathmaster Danger Dance“ heranziehen, das neben grandiosem Songtitel das Spiel mit Laut-Leise-Dynamik intensiviert.

Zugegeben, etwas lang ist „Monochrome Noise Love“ schon ausgefallen, hat auch ein wenig Füllmaterial angehäuft, das sich in ellenlangen Übergängen (weite Strecken von „Beware Of Pity“ fallen in diese Kategorie) oder dem überraschenden, etwas deplatzierten Hassbrocken „Me Vs. Myself“ äußert. Da ist sie eben dann doch, die zuvor erwähnte Unvollkommenheit. Solche Anflüge von Menschlichkeit machen Kokomo grundsympathisch und lassen auf eine baldige, ähnlich spannende Fortsetzung hoffen.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 12.02.2016
Erhältlich über: i.corrupt.records / Dunk!Records / Aloud Records

Facebook: www.facebook.com/kokomoband

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Category: Magazin, Reviews

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