In Flames – Siren Charms

| 5. September 2014 | 0 Comments

In Flames

Es ist mal wieder soweit: In Flames haben ein neues Album am Start und schon schießen die altbekannten „Früher war alles besser“-Raunzer aus allen Rohren. Wer zwölf Jahre nach „Reroute To Remain“ immer noch auf ein zweites „The Jester Race“ oder „Whoracle“ hofft, wird auch noch in zehn Jahren mit dem Kopf auf den Tisch knallen wollen. „Siren Charms“ steht für In Flames der neuen Schule und da ist für guten alten Schweden-Tod (leider) nur marginal Platz.

Aber wie steht’s denn jetzt mir der stilistischen Ausrichtung? Nun ja, wie eingangs angedeutet, haben sich In Flames über die Jahre mehr und mehr von Melodic Death Metal entfernt, was die Fanlager immer wieder aufs Neue in Aufruhr gebracht hat. Wie schon beim Vorgänger, wird auch auf „Siren Charms“ deutlich, dass Jesper Strömblad nicht mehr an Bord ist. Brachiale Riffgewitter, mehrläufige Gitarrenharmonien oder Anders Fridéns Growls sind kaum mehr vorhanden.

Songs wie der Opener „In Plain View“ oder das zuvor veröffentlichte „Rusted Nail“ knallen dennoch fett aus den Boxen. Richtig, der Metal ist immer noch da, nur werden eben die Akzente anders gesetzt. Die stampfende Groove-Walze „Everything’s Gone“ ist ein wahrer Rübenschüttler und bietet einen der episch-derbsten Refrains der Bandgeschichte, während „Paralyzed“ ein Beispiel für die weitere Annäherung zur Alternative-Sparte ist. Bei letzterer Nummer wird deutlicher auf elektronische Spielereien, rockig-melodische Gitarren und cleane Vocals gesetzt.

Macht das den Song in irgendeiner Weise schlechter? Keineswegs. Man darf sogar behaupten, dass der Track ein weiteres Highlight des Albums ausmacht. Auch die atmosphärische Seite von In Flames kommt anno 2014 stärker denn je zuvor zur Geltung. Mit jedem weiteren Song geht es melancholischer und düsterer zur Sache. Dafür stehen Songs, wie die zweite Single „Through Oblivion“, die Halbballade „With Eyes Wide Open“ oder der schleppend-sperrige Titeltrack.

Bei „When The World Explodes“ wird dann aber doch wieder der Dampfhammer ausgepackt. Anders beweist, dass er immer noch einer der besten Shouter seiner Klasse ist. Was die Nummer jedoch besonders reizvoll, aber sicherlich auch umstritten macht, ist das Duett mit der schwedischen Sopranistin Emilia Feldt. Hier werden sich die Geister definitiv scheiden (Schmalzwarnung!).

Auch wenn man mit „Dead Eyes“ (Synthi-Freunde werden ihre Freude haben) und dem druckvoll-brodelnden „Monsters In The Ballroom“ weiterhin durchaus solides Ohrenfutter vorgesetzt bekommt, lässt einen der Wunsch nach mehr Tempo nicht los. Die insgesamt 13 Songs sind Großteils im Midtempo-Bereich angesiedelt, so dass sich ab und an doch etwas Eintönigkeit einschleicht. Klar, hat man es hier nicht mehr mit den In Flames von vor 20 Jahren zu tun, aber etwas vom einstigen Temperament hätte der Platte sicher nicht geschadet.

Nichtsdestotrotz bieten die Jungs auf ihrem mittlerweile elften Langeisen eine ordentliche Portion Hooks („Become The Sky“) und clever getimte Gitarrenspielereien („The Chase“). Wer schon mit den letzten beiden Alben kaum etwas anfangen konnte, sollte auch um „Siren Charms“ einen Bogen machen. Fans der neuen Stunde sowie aufgeschlossene Metaller bzw. Rocker dürfen hier ruhig mehr als nur ein Ohr riskieren.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 05.09.2014
Erhältlich über: Epic Records (Sony Music)

Website: www.inflames.com
Facebook: www.facebook.com/inflames

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Category: Magazin, Reviews

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