Apocalyptica – Wagner Reloaded – Live in Leipzig

| 16. November 2013 | 0 Comments

Apocalyptica

Die Zeit, in der Apocalyptica die internationale Metalszene mit ihren Cello-Cover-Versionen von Metallica-Songs in Verzückung versetzten, ist lange vorbei. Zwei Dekaden fiedeln sich die Finnen mittlerweile durch die Lande und durften dabei mit Till Lindemann, Corey Taylor oder Sandra Nasic zusammenarbeiten. Das letzte reguläre Album „7th Symphony“ erschien 2010, danach wurde es nach ausgedehnten Live-Aktivitäten zunächst einmal ruhig um das Quartett. Nicht ganz, denn zum 200. Geburtstag des Komponisten Richard Wagner brachte man gemeinsam mit Gregor Seyffert das Tanz-, Theater- und Konzert-Event „Wagner Reloaded“ in Leipzig auf die Bühne. Den musikalischen Beitrag von Apocalyptica gibt es nun als Live-Mitschnitt zu kaufen.

Apocalyptica beschränken sich nicht etwa darauf, Wagner-Kompositionen nachzuspielen, sondern haben einen kompletten Soundtrack geschrieben, der zwar Elemente aus dem Schaffen des Komponisten verwendet, diese aber neu zusammensetzt und in den Bandtypischen Sound einflechtet. Zwar wurden die Klassik-Anteile im Vergleich zu den letzten Alben deutlich erhöht, es bleibt jedoch über weite Strecken metallisch und – für alte Fans interessant – rein instrumental. Mit finsteren, verheißungsvollen Klängen – „Signal“ und „Genesis“ – erfolgt der Aufbau, ein zartes Herantasten an diese Inszenierung, sehr behutsam und doch bestimmt vorgetragen.

Mit „Fight Against Monsters“ geht es so richtig los. Der Anfang ist weitestgehend klassisch gehalten, erst langsam nehmen die Celli Fahrt auf, wirken bedrohlich, die Spannung steigt. Nach zweieinhalb Minuten setzt Mikko Sirén mit mächtigen Drumsalven ein, die Abfahrt gen Hölle nimmt ihren Lauf. Diese Verschmelzung von Klassik und Metal tritt im Laufe dieses Mitschnitts immer wieder auf und übt besonders dann, wenn Sinfonieorchester und Apocalyptica sich in einen Rausch spielen – beispielsweise im endlos explodierenden „Path In Life“, das nicht umsonst mit stürmischem Applaus belohnt wird und nahtlos in das noch intensivere „Creation Of Notes“ übergeht – eine schwer beschreibliche Faszination aus. Allgemein fällt die zweite Hälfte dieses Mitschnitts spannender aus, was nicht zuletzt an „Ludwig – Wonderland“ liegt. Sirén peitscht seine Cellisten voran, die knüppelhart riffen und sogar solieren. Ein wenig erinnert das an die Lombardo-Kollaborationen, jedoch im klassischen „S&M“-Outfit.

Wenn nach gut 56 Minuten die letzten Töne von „Destruction“ verhallen, ist man erst einmal sprach- und ratlos. So hatte man sich das neue Apocalyptica-Album kaum vorgestellt – weder als reguläre Platte noch als Wagner-Projekt. Von Wagner ist tatsächlich wenig zu hören, die Symbiose von Orchester und ehemaligen Orchestermusikern gelingt dafür in beängstigender Perfektion. Vor dem inneren Auge entstehen wilde, leidenschaftliche Bilder einer viel umjubelten Inszenierung, was nicht zuletzt an der Musik liegt; und die wird mit jedem Durchlauf stärker. „Wagner Reloaded – Live in Leipzig“ ist eine anfangs schwierige, wohl aber immer fasziniernder werdende Platte, die gerade Eicca Toppinens unvergleichliches Songwriting-Talent unterstreicht. Es verwundert kaum, dass Apocalyptica ab März 2014 mit dem Avanti! Orchestra durch Europa touren werden, um diese symfonische Symbiose auf die Bühne zu bringen. Im unmittelbaren Anschluss will man ins Studio gehen und ein reguläres Album aufnehmen. Was will man mehr?

Wertung: 9/10

Erhältlich ab: 15.11.2013
Erhätlich über: BMG Rights Management (Rough Trade Distribution)

Website: www.apocalyptica.com
Facebook: www.facebook.com/Apocalyptica

In Zusammenarbeit mit beatblogger.de

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Category: Magazin, Reviews

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