Kopek – White Collar Lies

| 22. Mai 2012 | 0 Comments

Kopek

Als Kinder klassischer Rockmusik, die jedwede Facetten des Genres (Led Zeppelin, Thin Lizzy, U2, The Police) verinnerlicht haben, setzen Kopek nun auch zum Landeanflug auf das europäische Festland an. Ihr retrohafter Gitarrensound mit dezenten Grunge-Einflüssen und Pop-Momenten ist vor allem durch den Soundtrack von „SAW 3D“ hierzulande einigermaßen vertraut. Nachdem ihr Debütalbum „White Collar Lies“ in ihrer Heimat (in Eigenregie) und in den USA bereits veröffentlicht wurde, bringen Daniel Jordan und Brad Kinsella den Longplayer mit leicht veränderter Tracklist nach Österreich. Für 70s-Hymnen und gelegentliche balladeske Momente ist gesorgt.

Besagter Soundtrack-Beitrag ist „Love Is Dead“, der große Hit des Albums. Die dezent eingesetzten Samples mit Amon Tobin-Flair verleihen dem Track einen düsteren Vibe. Daniel Jordan röhrt über ein schlichtes, verdammt tief gestimmtes Riff. Mark Melicia (The Parlor Mob) lässt gesanglich grüßen, der Retro-Vibe ist auch bei dieser überaus modernen Single spürbar. Mit schlichten Mitteln und einem treibenden Refrain setzen sich die Iren selbst ein kleines Denkmal. „The Easy Way (D.B. Cooper)“ knüpft locker daran an und erinnert an die längst aufgelösten Landsleute JJ72. Die kratzige Kopfstimme ist vergleichbar mit jener Mark Greaneys, die schroffen Gitarren wirken ebenso vertraut. „Cocaine Chest Pains“ rundet das mächtige Opener-Trio mit einem waschechten Thin Lizzy-Riff ab, Singalong-Parts inklusive.

Dahinter gestaltet sich das Bild ein wenig differenzierter. Gerade die ruhigeren, balladesken Momente entpuppen sich als Gratwanderung. Während „Running Scared“ ein weiteres Mal überaus angenehm an JJ72 erinnert, hat „Floridian“ etwas von einem ziel- und identitätslosen Nickelback-Song, auch der U2-Powerpopper „Bigger Than Us All“ ist nicht gerade ein Prunkstück, hat in punkto Melodieführung sogar einen Hauch vom aktuellen deutschen Song Contest-Beitrag. Ignoriert man diese beiden Belanglosigkeiten, kann man sich auf das energische „Love Sick Blues“ freuen; ein Blues-Rocker (welch Überraschung!) mit Schmiss und einem Auge gen Stoner. „Bring It On Home“ hingegen zelebriert die klassische Riff-Rock-Ära in Perfektion, kreuzt Led Zeppelin mit zeitgenössischen Hard Rock-Granden.

Auch wenn gerade das hohe Niveau der drei Opener nicht über Albumlänge gehalten werden kann, entwickelt sich das Kopek-Debüt zu einer sympathischen Platte mit zahlreichen Höhepunkten (gerade „Running Scared“ als Ballade mit Pop-Einschlag überrascht positiv), die das große Potential der Iren andeuten. Retro-Riff-Rock mit 70s-Attitüde mag zwar nicht gerade neu sein, funktioniert aber mit spärlich eingesetzten, modernen Elementen (siehe und vor allem höre „Love Is Dead“) und viel Herzblut erstaunlich gut. „White Collar Lies“ hat zwar mit kleineren Kinderkrankheiten und der einen oder anderen Belanglosigkeit zu kämpfen, macht aber Hoffnung auf einen baldigen Nachfolger mit mehr Power, mehr Dreck und noch mächtigeren Riffs.

Wertung: 7/10

Erhältlich ab: 25.05.2012
Erhätlich über: Another Century (EMI Music)

Facebook: www.facebook.com/kopek

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Category: Magazin, Reviews

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