Hatesphere – Guillotine

(c) Julia Nikiforova – JN Lightning Photography
Hatesphere sind unkaputtbar, egal in welcher Besetzung. Dass die Dänen trotz ihrem mittlerweile vierten Frontmann ein Powerhouse bleiben, spricht für die ungebrochene Urgewalt der Death-Thrash-Legenden. Immerhin hält das Line-up seit dem kurzweiligen, vor dreieinhalb Jahren erschienenen „Hatred Reborn“ und wirkt aktuell mehr als gefestigt. Für das insgesamt zwölfte Album wollte man zwar sämtliche aggressiven, ruppigen, melodischen und groovenden Trademarks beibehalten, jedoch in einen düsteren, atmosphärischen Kontext stellen. „Guillotine“ befasst sich mit Moral und Ethik, mit Gut und Böse, mit menschlicher Natur und sozialen Strukturen.
Wenn „Dogma“ nach der Intro-Fanfare förmlich aus den Boxen explodiert und direkt in media res geht, ist alles eitel. Hatesphere peitschen mit vertrauter Death-Thrash-Wucht voran und zerlegen mal eben alles. Mathias Uldall fühlt sich an vorderster Front noch wohler, dirigiert das Geschehen mit furioser Energie, dazu gesellt sich ein beinahe hymnischer Chorus sowie der im besten Sinne schwerfällige, erdrückende Mittelteil, der prima zur neuen musikalischen Mission passt. Die verkörpert auch der anschließende Titeltrack „Guillotine“, der im erdrückenden, zermürbenden Midtempo-Sektor sämtliche Sinne betäubt. Selbst der kurze Zwischensprint ändert wenig an der schwerfällig sägenden Grundstimmung, die den Marsch zum Galgen grandios vertont.
Als Song(-titel) stark, ansonsten bestenfalls bedingt empfehlenswert: „Mouth Filled With Barbed Wire“ überrascht mit ein paar psychotischen Einfüssen, windet sich förmlich und ringt um Fassung, während ringsum erdrückendes Chaos dominiert. Ein ganz anderes Kaliber ist „Snake Charmer“, das auf klassischen melodischen Death Thrash setzt, wieder und wieder das Tempo anzieht und verschleppt, in diesem steten Hin und Her komplette emotionale Erschöpfung findet. Die macht in „Human Scum“ Pause und übt lieber durch eine Mischung aus Schwerfälligkeit und kleinen Sprints Druck aus – eine durchaus vertraute, mit klaustrophober Melodik abgerundete Formel.
Tatsächlich lehnen sich Hatesphere ein wenig aus dem Fenster und gestalten ihren mehr als vertrauten Sound eine Spur finsterer, beklemmender, vergessen dabei aber keinesfalls auf ihre starken Trademarks. Death, Thrash, Groove, etwas Hardcore und Punk, dazu charmante melodische Einlagen – „Guillotine“ hat all das und klingt dabei um Welten unbequemer als zuletzt. Die Dänen wirken im zweiten Album in selber Besetzung angenehm kraftvoll, gefestigt und spielfreudig, wagen Neues und schließen doch nahtlos an frühere Großtaten an. Mehr braucht es auch nicht zum gewohnt wahnwitzigen Glück.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 09.10.2026
Erhältlich über: Scarlet Records / Audioglobe (SPV)
Website: www.hatesphere.com
Facebook: www.facebook.com/hatesphereofficial


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