Space Chaser – Razorblade Bay

| 8. September 2026 | 0 Comments
Space Chaser

(c) Sonja Möller

Es gibt gewiss einfachere Dinge als einen Sängerwechsel unbeschadet zu überstehen. 2023 verloren Space Chaser mit Siegfried Rudzynski eine echte Charakterstimme, der Frontmann verließ die Band aus persönlichen Gründen, nachdem man sich zuletzt auf „Give Us Life“ musikalisch etwas weiter geöffnet hatte. Rhythmusgitarrist Leo Schacht nahm das Heft in die Hand, bereits mit der im Vorjahr veröffentlichten Single „Ignite The Sky“ kündigte sich eine Hinwendung zu klassischeren Thrash-Tönen an. Exakt das geschieht auf „Razorblade Bay“, dem Einstand für Testimony Records.

Kurze Brodeln, kehlige Aggression, dann volle Kraft voraus: Der Titeltrack „Razorblade Bay“ eröffnet die Platte mit Nachdruck. Schacht ist stimmlich ein wenig tiefer angesiedelt und bewegt sich damit gelegentlich in Kreator– und Sodom-Gefilden, wie auch die Musik an sich. Dass ausgerechnet Andy Brings für die Produktion verantwortlich war, passt irgendwie. Wütende, teutonische Thrash-Attacken, ein wenig Groove zwischendurch und ein hymnischer, muskelbepackter Chorus machen Laune. Die Reprise am anderen Albumende ist ebenfalls nicht von schlechten Eltern. Im kurzen, angepunkten „8 Minutes“ gibt es sogar ein paar Gast-Vocals von Brings – das I-Tüpfelchen für eine kompromisslose Attacke.

„The Coffin“ entwickelt sich zum mächtigen Favoriten, braucht den einen oder anderen Anlauf, kann mit schierer Intensität und rasiermesserscharfen Soli aber ohne Frage restlos überzeugen. Spielerisch verschiebt sich das Tempo, stellenweise episch angehaucht, dabei stets so direkt wie möglich umgesetzt – ein von vorne bis hinten mächtiges Stück Thrash. Ein solches ist auch „We Are The Night“, das einmal mehr kantige Gang Shouts in den Mix lässt und vor allem in der nahezu melodischen zweiten Hälfte so richtig abhebt. Ganz so hymnisch geht es in „We Bow To None“ freilich nicht zu. Die giftige Kampfansage explodiert wieder und wieder, bevor gespenstische Gitarren mittendrin die Stimmung verändern und das mächtige Finale vorbereiten.

Space Chaser bemühen eine gewisse Ursprünglichkeit, die ihnen und ihrem Sound gut bekommt. „Razorblade Bay“ fällt insgesamt deutlich thrashiger und fokussierter aus, orientiert sich gerne mal an den deutschen Big Four, ohne die spannenden Ideen der letzten Platten gänzlich zu ignorieren. Die Neubesetzung an vorderster Front ist zunächst ein kleiner Kulturschock, macht sich aber ebenso richtig gut und lenkt den Fokus vermehrt auf das Wesentliche. Thrash, Thrash und nochmals Thrash: Space Chaser packen beherzt zu und machen aus der vermeintlichen Not eine höchst unterhaltsame Tugend.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 11.09.2026
Erhältlich über: Testimony Records (SPKR)

Facebook: www.facebook.com/SpaceChaserBand

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Category: Magazin, Reviews

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