Dry Wedding – The Back Of Beyond

| 28. Juli 2026 | 0 Comments
Dry Wedding

(c) Kevin Brown

In den Untiefen von Americana verbirgt sich erstaunliche Düsternis. Dry Wedding wissen das und schneidern daraus unbequeme Musik. Das Quartett aus Portland entwickelte auf seinen beiden bisherigen Alben eine eigentümliche Mischung rund um Post Punk, Death Rock, Gothic, Country, Doom Metal, Noise Rock und eben Americana (in Text und Ton), von zig weiteren Einflüssen ganz zu schweigen. Dieses Mal ging es der US-Band darum, bestimmte Aspekte ihres Sounds noch weiter auszureizen. Wenig überraschend entwickelt sich „The Back Of Beyond“ zur düsteren, erdrückenden Tour de Force.

Das schwermütige, nicht enden wollende „Moths“ bemüht gewaltige, sich laufend wiederholende Schleifen, führt ganz nahe an den Abgrund heran und zieht letztlich doch wieder zurück. Dieses vorsichtige und doch bestimmte Herantasten, begleitet von Davey Ferchows dramatischer Stimme, lässt den überlangen Track weiter anschwellen, bis zum klaustrophoben Finale. Selbst einzelne Schreie bringen keine Erleichterung. „The Serpent Box“ kommt da gerade recht – kurz, vergleichsweise direkt und richtig schön aggressiv. Kurze Eruptionen, wüster Noise und Slide-artige Klänge, die Verdammnis heraufbeschwören, erzeugen Unbehagen.

Letzteres ist das große Kunststück von Dry Wedding, die kalte Schweißausbrüche auslösen und dabei in den Arm nehmen. So verstört das langsame Anrollen von „One Last Stand“ so richtig, bevor das Ding Fahrt aufnimmt. Blackened-Doom-Ästhetik trifft auf Gothic-Chic, die Stimme ist tiefer als sonst. Die Apokalypse versumpft letztlich. Hingegen nimmt „Arrowhead“ jegliche Form von Geschwindigkeit zumindest für die ersten Minuten heraus. Anfängliche Doom-Wände weichen einem bissigen Massiv, wüste Drumsalven und faulige Death-Rock-Riffs führen schließlich in einen rohen, kantigen Schlussakt.

Als wären Crippled Black Phoenix in schroffer Finsternis gefangen geblieben: Die urgewaltige, kratzende und doch bittersüße Intensität von Dry Wedding wirft unzählige Fragen auf. Vor allem: Was zum Henker war das gerade? Die eigentümliche Mischung dieses dritten Albums knarzt und kracht an allen Ecken und Enden. Metallische Heavyness wird zum Pinselstrich dominanter Atmosphäre erklärt, Noise sorgt für Verstörung, während Post Punk und Americana die Finsternis wiederholt in sämtliche Himmelsrichtungen reißen. „The Back Of Beyond“ lebt und liebt den Wahnsinn der nahenden persönlichen und gesellschaftlichen Apokalypse. Selten war eine Reise ins Unheil so einladend.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 31.07.2026
Erhältlich über: Vesperian / Metal Blade

Facebook: www.facebook.com/drywedding

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Category: Magazin, Reviews

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