Zerre – Rotting On A Golden Throne

(c) Georg Hoos
Kreator, Exodus und Megadeth waren bereits an der Reihe, Anthrax landen demnächst: Für Fans der alten Thrash-Schule ist dieses Jahr bislang ein absoluter Traum. Und dann ist da noch ein Quintett aus Würzburg, das so ziemlich allen das Fürchten lernt. Zerre sind so roh und drückend wie menschenmöglich unterwegs, hauen eine gesunde Portion Crossover in den großen Topf und schreiben mächtige Songs, die sich mit Machtmissbrauch, Korruption und menschlicher Verrohung befassen. Was sich nach Standardprogramm anhört, entwickelt sich auf dem mittlerweile vierten Album „Rotting On A Golden Throne“ zum abgefuckten Headbanger-Festmahl.
Ein Track wie „Concrete Hell“ unterstreicht eindrucksvoll, was die deutschen Nachbarn ausmacht. Der vergleichsweise gemächliche, groovende Start täuscht ein wenig, denn nach diesem Intro heben Zerre mit aller gebotener Vehemenz ab. Tighte Rhythmusabteilung, mächtige Gitarrenarbeit und ein bestens aufgelegter Nico Ziska, der den Track mit wachsender Begeisterung zerbrüllt – das Ding geht forsch nach vorne, bekommt sein feines Solo, ein paar Gang Shouts und einen verspielten, wuchtigen Schlussakt als Bonus, mehrstimmige Leads inklusive. Die Zutaten kennt man, die Zusammensetzung macht dennoch Laune – siehe und höre auch „Pigs Will Be Pigs“, das von der ersten Sekunde an die Energie weit nach oben schraubt und sich mit giftiger Zerstörungswut austobt.
Mehr und mehr meint man einen Missing Link zwischen Municipal Waste und Slayer gefunden zu haben, garniert mit einer gesunden Portion Sodom und Power Trip. „Killing Taste“ erdrückt mit seiner Heavyness geradezu, hebt aus dem Nirgendwo ab und verliert sich in seinen instrumentalen Passagen gar bekömmlich. Aber auch kürzere Episoden, wie das forsche „Deception Of The Weak“, klappen mit punkigem Esprit gar hervorragend. Dass darauf mit „Mental Vacation“ der längste Track dieses Albums folgt, passt irgendwie. Siebeneinhalb Minuten wahnwitziger, komplett eskalierender Husarenritt bieten maximale Unterhaltung. Speziell das kurze, fast melodische Innehalten mittendrin, das im puren Rausch hymnische Töne andeutet, ist fantastisch, ebenso der ausladende Soloteil.
Was zum Henker ist denn hier auf einmal passiert? Dass Zerre das Zeug zum großen Wurf haben, sollte aufmerksamen Thrashern nicht überraschen, doch ist das hier doch noch einmal ein ganz gewaltiger, fantastischer Ausreißer nach oben. „Rotting On A Golden Throne“ kondensiert vertraute Stärken, schraubt den Härtegrad weiter nach oben und macht einfach, ohne Kompromisse und selbstverständlich ohne Rücksicht auf Verluste. Unfassbare Energie ab der ersten Sekunde, mächtige Riffs, anspruchsvolle Tracks und wütende Vocals gehen eine grandiose Symbiose ein und ergeben das – zumindest bislang – vielleicht beste Thrash-Album des Jahres.
Wertung: 9/10
Erhältlich ab: 27.03.2026
Erhältlich über: Dying Victims Productions (SPV)
Bandcamp: zerrethrash.bandcamp.com
Instagram: www.instagram.com/zerre.thrash
Slider-Pic (c) Georg Hoos


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