Junius – Sotera

(c) Matt Darcy
Nahezu ein Jahrzehnt ohne neues Album ist heftig. Anfang 2017 machten Junius, abermals nach etwas längerer Pause, mit „Eternal Rituals For The Accretion Of Light“ auf sich aufmerksam, danach war Ebbe. Joseph E. Martinez und Dana Filloon stellten die Band zwischenzeitlich neu auf und wurden zum Quintett, zudem nahm man sich viel Zeit für das Songwriting und bemühte sich um einen thematischen Szenenwechsel. „Sotera“ will den eigenwilligen Sound zwischen Rock, Metal, Shoegaze und Post-Something ebenso zu neuen Höhen katapultieren.
Vergleichsweise existenzielle bis esoterische Themen weichen diesen betont gegenwärtigen Aspekten. Der Albumtitel erforscht „das Göttlich-Weibliche als Kraft der Transformation und des Gleichgewichts“, so Martinez, und verwendet mythologische Motive für das Hier und Jetzt. Die Art und Wiese, wie sich „Disciple“ mit aller Kraft und Melodik aus dem Dickicht arbeitet, zeigt Junius sogleich in Bestform. Drückende, nahezu post-metallische Heavyness, aufwühlender Klargesang und die fast obligatorischen Querverweise auf Deftones, die doch stets in Eigenständigkeit umgewandelt werden, zeichnen den Opener aus. Vor allem der Wurmfortsatz des Refrains mit leichter Dark-Rock-Note kommt gut.
Junius treten aber auch musikalisch keinesfalls auf der Stelle und verwenden Finsternis, um noch heller zu strahlen. Das launische, gespenstische „Darkwater“ bewegt sich von Gothic-Motiven bis hin zu wütenden, schwermetallischen Gitarrenwänden mit erstaunlicher Brutalität zum kathartischen Finale. „Scythian“ lebt hingegen vom omnipräsenten Wechsel musikalischer Gezeiten, macht Platz für vereinzelte Screams und Growls, torpediert die Schädeldecke mit nachdrücklicher Präzision und bemüht doch immer melancholische Melodik inmitten unwirtlichster Gefilde. Der gezischte bis gebrummte Spoken-Word-Part in „Serpent“ samt schwarzmetallischem Unterbau ist eine Überraschung und zugleich der vielleicht größte Stilbruch.
Doch auch typischere Junius-Tracks, wie das beklemmend-hymnische „Summon Her“, gibt es auf diesem Album in rauen Mengen, wenngleich diese zumindest anfangs ein wenig untertauchen. Zunächst überrascht die musikalische Evolution des US-Quintetts, das insgesamt noch düsterer und brutaler unterwegs ist, die Extreme ihrer Musik intensiviert und konzentriert auslotet. Nach dem ersten Abwurf ergibt sich jedoch eine von vorne bis hinten faszinierende, mitreißende Platte, die vertraute Trademarks mit frischen Ideen verbindet und all das mit gekonnt überfordernder Spiritualität garniert. „Sotera“ zeigt eine etwas andere Seite von Junius, sehr herausfordernd und doch auf seine Weise spannend. So stellt man Hörgewohnheiten auf den Prüfstand – mit einer möglichst großen Brechstange und anspruchsvoller Eingängigkeit.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 26.06.2026
Erhältlich über: Prosthetic Records / MNRK Records (SPV)
Website: www.juniusmusic.com
Facebook: www.facebook.com/juniusmusic


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