Warning – Rituals Of Shame

(c) Gobinder Jhitta
2009 löste Patrick Walker Warning nach zwei emotional aufgeladenen Alben auf. Er hatte das Gefühl, mit der Band alles erreicht zu haben, und konzentrierte sich in weiterer Folge auf 40 Watt Sun. Jubiläumsshows für „Watching From A Distance“ brachten immerhin eine kompetente Live-Besetzung zusammen, doch schaffte eine Phase der Erneuerung und Veränderung die nötige Muse für neue Musik. Im Laufe des Vorjahres geschrieben und aufgenommen, knüpft „Rituals Of Shame“ nahtlos an den letzten Studiogruß vor 20 Jahren an und klingt dennoch angenehm frisch, zugleich unüberhörbar von Walkers musikalischer Entwicklung seither beeinflusst.
Der eröffnende Titeltrack mit seinen knapp 13 Minuten Spielzeit verzückt mit erdrückender Monumentalität und gleichzeitiger Fragilität. Anmutiger, gemächlich marschierender Doom mit donnernden Drums, drückendem Basslauf und schneidenden Gitarren kollidiert mit Walkers Charakterstimme, die nach wie vor kalte Schauer über den Rücken jagt. Nahezu folkige Dimensionen, die man von 40 Watt Sun kennt, treffen auf pure Erschütterung im Zeitlupentempo. Das zittrige Bollwerk erfährt betont langsame, vorsichtige Wandlungen. Todtraurige Heavyness im Mittelteil und die geringfügige Tempoverschärfung im Schlussakt verzücken.
Ein wahres Wechselbad der Gefühle ergibt sich im weiteren Verlauf dieses Comebackwerks. Schuld, Scham, persönliche Fehlschläge, Besessenheit, Verlangen, Trennung und Liebe – Themen, die Walkers Schaffen seit Jahrzehnten begleiten, sind auch hier präsent. Wie in „Landing Lights“, das konstant zwischen Melancholie und Versöhnlichkeit pendelt, mit einem Hauch Hoffnung aufwartet und am Ende davon erdrückt wird. Oder „Stations“, das durch Blei sägen möchte und im emotionalen Kargland kalt erwischt wird. Wenn Walker nach gut fünf Minuten seine Stimme erhebt und sich von Sollbruchstellen übermannen lässt, bleibt kein Auge trocken.
Das Herz geht über, wenn diese Doom-Magier ihre unheilvollen Schwingen ausbreiten. Bei Warning geht es weiterhin um monolithische Entschleunigung, massiven Sound und große Emotionen, die sich durch jede einzelne Note, jede Zeile ziehen. Eine gewisse Langatmigkeit gehört dazu und verleiht diesen fünf Songs das gewisse Etwas, wie auch die herzzerreißende, gequälte Performance Patrick Walkers. Seine universellen Themen ziehen sich auch durch „Rituals Of Shame“, mit ehrfurchteinflößender Intensität dargeboten und zugleich voller kleiner, feinsinniger Momente, die mit ihren Widerhäkchen festhalten. Warning verschlucken sich beinahe am eigenen Bravado und schaffen dennoch nach viel zu langer Pause epische Doom-Kunst der zermürbenden Sorte.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 19.06.2026
Erhältlich über: Relapse Records (SPV)
Website: www.warningband.com
Facebook: www.facebook.com/Warningdoom


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