Kalamata – Zenosyne

(c) Achim Sauer
Je älter man wird, desto schneller scheint die Zeit zu vergehen – ein Gefühl, das Kalamata vertonen. Zeit scheint für das Trio aus dem niedersächischen Hildesheim relativ zu sein, ist ihre letzte Platte doch mittlerweile stattliche neun Jahre her. Auf der faulen Haut lag man aber keinesfalls, hatte unter anderem mit Veränderungen im Line-up zu tun, tourte fleißig und hatte zugleich persönliche Tiefpunkte zu überstehen. Ausnahmsweise nicht live eingespielt, legt „Zenodyne“ den Fokus auf Details, Experimente und Texturen. All das verleiht dem rein instrumentalen Stoner-Psych-Sound ganz eigenartigen Rückenwind.
Abermals ergeben die Songtitel einen ganzen Satz: ‚There is no coming back‘. Motivation liest sich freilich anders, doch könnte dies zugleich als Antrieb für die Zukunft gesehen werden; als Notwendigkeit, nach vorne zu blicken und weiterzumachen. Der Vorbote „Coming“ bringt den alten, neuen Sound der deutschen Nachbarn prima auf den Punkt und schafft es gekonnt, über leicht jenseitigen Gitarrentönen zu meditieren. Schlagzeug und Bass leben hingegen den Aufbruch, bringen sich in Position und bereiten eine gewaltige, alles überstrahlende Entladung vor. Diese will jedoch lange Zeit einfach nicht kommen, erst im Schlussdrittel. Drückende Uptempo-Salven, singende Saiten und ein knüppelhartes Finale stimmen selig.
Natürlich funktioniert dieses dritte Studioalbum am besten in seiner Gesamtheit, doch schadet es keinesfalls, die mehr als kurzweiligen Zutaten einzeln unter die Lupe zu nehmen. „Is“ existiert zu Beginn vor allem als wütende Basssalve, mit einem eindringlichen Riff am Tieftöner, während die Gitarre darüber mehr oder minder zu solieren scheint. Was proggig und technisch anspruchsvoll anmutet, hält letztlich aber wenig von bloßem Muckertum. Auch hier öffnen sich die imaginären Schleusen spät, findet die Band zu einem überdimensionalen Kraftakt zusammen. Metallisch angehauchte Druckwellen mit leicht angezogener Handbremse brennen sich ohne Umwege ein.
Geht das hier schon als ‚ausufernde Zurückhaltung‘ durch? Zwar gehen Kalamata gerne und lautstark aus sich heraus, doch scheint der Weg dorthin, der gemächliche Aufbau mit seinen Schleifen und konzentrierten Variationen, fast noch einen Tacken wichtiger zu sein. „Zenodyne“ lässt sich nicht stressen, hat stellenweise etwas von einer sympathisch ausufernden Jam-Session und investiert zugleich mehr denn je ins Tüfteln und Arrangieren. Eine richtig schön große, intensive Platte mit Hirn und Herzblut ist das begeisternde Ergebnis.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 26.06.2026
Erhältlich über: Copper Feast Records / Made of Stone Recordings (Sound Effect Records)
Facebook: www.facebook.com/Kalamataband


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