Sinsaenum – In Devastation

(c) Celine Kopp
Der viel zu frühe Tod Joey Jordisons hinterlässt weiterhin Spuren. Während das erste und einzige Album seines Projekts im Vimic diesen Herbst endlich doch noch erscheinen soll, meldet sich nun die Supergroup Sinsaenum erstmals seit sieben Jahren mit einer neuen Platte zurück. Es galt nicht nur den Tod des ehemaligen Drummers, sondern auch jenen von Mastermind Frédéric Leclercqs Vater zu verarbeiten. Daher auch der Titel: „In Devastation“. Neben dem vertrauten, kompromisslosen Blackened-Death-Mix wagt man sich an neue Herausforderungen.
Hinter der Schießbude nimmt nun Jordisons ehemaliger Drum-Tech Andre Joyzi Platz, eine logische Wahl. Er fügt sich nahtlos ins Geschehen ein, siehe und höre Tracks wie „Shades Of Black“. Der giftige Stomper mit leichtem Prog-Einschlag vermischt bestehende Extreme mit zusätzlichem Anspruch und gibt DragonForce-Gitarrist Leclercq mehr Platz für Soli, ohne jedoch jenen wütenden Rahmen zu sprengen, den Attila Csihar (Mayhem) und Sean Zatorsky (Daath) mit wachsender Begeisterung vorgeben. „Destroyer“ hebt das Tempo erst einmal an, bevor man die Muskeln spielen lässt – eine kurze, knackige und ruppige Urgewalt von einem Song samt obligatorischer Schwärze.
Emotionaler Höhepunkt ist jedoch das ellenlange, epische „Last Goodbye“. In diesem knapp siebenminütigen Requiem laufen Sinsaenum zu absoluter Höchstform auf, mit eindrucksvollen Wänden des Wahnsinns, Djent-Death-Einschüben und mächtigem Klargesang, dessen hymnische Melancholie mit omnipräsentem Schmerz kollidiert. So entwickelt sich der gesamte Track zu einem Wechselbad der Gefühle, das den insgesamt proggigeren Kurs auf den Punkt bringt. Im Titelsong beruft man sich hingegen auf alte Qualitäten, mit Brachialgewalt und etwas Anspruch, wenngleich musikalisch deutlich komplexer. Das beherzt auch „This Wretched World“ und stürzt sich in ein verkopftes Blackened-Death-Labyrinth. Csihar wächst abermals über sich hinaus.
Sinsaenum klammern sich keinesfalls an der unwiderbringlich verflossenen Vergangenheit fest und bemühen Aufbruchstimmung auf allen Ebenen. Natürlich geht „In Devastation“ als Requiem durch, das sich mit einschneidenden, entscheidenden Verlusten befasst, das aber ebenso eine hochspannende, willkommene Form musikalischer Evolution bemüht. Melodischer und proggiger zeigt sich die Platte, wenngleich in Maßen, sinnig und stimmig in den vertrauten, brachial-angeschwärzten Sound eingebunden. Die Mischung stimmt und macht dieses Album-Comeback zum echten Highlight wie auch zum passenden Tribut für zwei wichtige Menschen.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 08.08.2025
Erhältlich über: earMUSIC (Edel)
Facebook: www.facebook.com/Sinsaenum


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