Deadnate – Mosaic

(c) Nikolai Lund
Der Blick wandert nach innen: Auf ihrem ersten Album setzten sich Deadnate intensiv mit der Welt um sie herum auseinander. Groovender, gerne wütender und doch verspielter Progressive Metal begleitete die Versuche der Dänen, die viel zu oft widersprüchliche Beziehung zwischen Mensch und Natur zu verstehen. Nun wechselt die Perspektive und adressiert elementare Themen, wie Trauer, Wut, Empathie und das Fehlen selbiger, ohne dabei wertend sein zu wollen. Auf „Mosaic“ realisieren sie, dass das Leben aus vielen kleinen Teilen besteht, die nur gemeinsam ein großes, ganzes und halbwegs verständliches Bild ergeben können.
Wirbelndes Drumintro, giftige Distortion und eine kolossale Thrash-Welle erfassen das ausgedehnte Intro des Openers „He Who Pays“, bevor drückender Midtempo-Groove das Heft in die Hand nimmt und ebenso plötzlich für verstörende, himmlische Gesangsharmonien Platz macht. Und das ist nur der Auftakt, denn diese chaotischen wie mitreißenden vier Minuten häuten sich wiederholt und wirken doch nie auch nur im Geringsten überladen. Wiederholte Zwischensprints und scharfkantige Prog-Extreme harmonieren prima miteinander. Das gelingt auch „Neon Burner“, ebenso eher kurz und kompakt gehalten, dennoch mit wachsender Begeisterung am Rad drehend. Das Fingerspitzengefühl im XXL-Gitarrensolo bietet große Klasse.
Mitten im Album wartet mit „Two Tongues“ der längste Song. Wenig überraschend toben sich Deadnate mit wachsender Begeisterung aus, verharren etwas länger in den einzelnen Parts und finden selbst in den groovenden, angethrashten Abschnitten so etwas wie Eingängigkeit. Viel Flut und nur wenig Ebbe charakterisieren ein Mini-Epos, das stets nahe am Limit operiert und dabei erstaunlich verträglich bleibt. Ähnliches gibt es über „Morass“ zu sagen, mit dem fast obligatorischen Mastodon-Einschlag versehen. Selbst inmitten bärbeißiger Heavyness tauchen feinsinnige Harmonien und filigrane technische Urgewalt auf. Die letzten beiden Minuten samt unwiderstehlicher Hook lassen nicht mehr los.
Stellenweise glaubt man, eine Art Missing Link zwischen Gojira und Extol zu hören. Damit ist keinesfalls gemeint, dass Deadnate anderen Bands und Sounds hinterherhetzen. Im Gegenteil, auf ihrem zweiten Album finden sie mehr denn je ihre ureigene, hochgradig spannende und mitreißende Präsentation. „Mosaic“ ist tatsächlich – um das Leitmotiv fortzusetzen – die sprichwörtliche Summe seiner einzelnen Teile und ergibt ein mal zermürbendes, mal zerfahrenes, mal harmonisches, mal erdrückendes Gesamtbild, je nach Perspektive. Der moderne und zugleich sägende, drückende Prog-Ansatz steht den Dänen gut zu Gesicht und etabliert sie als Hoffnungsträger, denen man unbedingt Gehör schenken sollte.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 27.03.2026
Erhältlich über: DeadRecords
Facebook: www.facebook.com/Deadnate


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