City Light Thief – Greetings From Fevers Key

| 17. März 2026 | 0 Comments
City Light Thief

(c) Holger Kochs

Ihr letzter Release vor beinahe acht Jahren war ein Überraschungsalbum, nur eine Woche nach den damals frisch abgeschlossenen Aufnahmen veröffentlicht. Ganz so schnell und plötzlich ging es bei City Light Thief dieses Mal nicht, wenngleich das Sextett aus Köln und Grevenbroich bereits 2020 an ersten Ideen arbeitete. Am fiktiven Ort ‚Fevers Key‘ entdecken sie Songs in der Tonart des Fiebers für sich – dort, wo stete Veränderung herrschte, wo sich erstmals Abgründe zwischen den Musikern auftaten, wo man mit unterschiedlicher Erwartungshaltung konfrontiert war. Inzwischen haben die deutschen Nachbarn zurück ins Hier und Jetzt gefunden, doch die Musik ist geblieben: „Greetings From Fevers Key“.

Von ‚pulsierende[n], aufreibende[n], und nervöse[n] Lieder[n]“ ist die Rede, und das trifft für diese EP durchaus zu. Der Auftakt könnte kaum härter und wütender ausfallen: „Infinite Original Content“ langt wieder und wieder mit beherzter Brutalität zu, sprengt Post-Hardcore-Erwartungen und erinnert stellenweise sogar entfernt an Touché Amoré. Diese Momentaufnahme ist aber keinesfalls repräsentativ für den weiteren Verlauf der Platte. „Fevers Key“ legt nach aufwühlendem Auftakt zwar beherzt nach, verbindet die drückende und – nun ja – nervöse Energie aber mehr und mehr mit kleinen Widerhäkchen und einem derben Finale.

Hinter dem überlangen Titel „Every Last One Of My Many Tricks Has Been Played To Death“ steckt ordentlich Feingefühl. Einige der besten Melodien der EP kollidieren mit konstantem Drive, mit dem steten Pushen nach vorne. Wo dieses ‚vorne‘ genau ist, bleibt aber unklar. Stattdessen taucht „Moonfaced“ noch tiefer in reduzierte Gefilde ab, spielt mit Shoegaze und proggiger Note, bevor plötzliche, wütende Explosionen die vermeintliche Idylle erschüttern. Davon ist in „Scared Of All My Friends“ erst gar nichts zu hören – kantig, furios, mit Uptempo-Elan und einer mächtigen Hook, die immer wieder durchbrechen will, versehen. Schließlich macht „Multitudes“ das Licht aus, steuert sogar ein wenig in Richtung Alternative Rock und nimmt im großen Schlussakt bei der Hand, um versöhnlichere Tage anzusteuern.

Die permanente Wundertüte City Light Thief sorgt endlich wieder für Furore. Klar gehen diese 24 Minuten viel zu schnell vorüber, aber das ist auch schon die einzige Schattenseite einer EP, die mit jedem Durchlauf ein Stück schöner wird. Das deutsche Sextett hat keinesfalls vor, auf der Stelle zu treten, schlägt dafür in sämtliche Himmelsrichtungen aus. Hier finden sich die vielleicht härtesten Momente ihrer bisherigen Karriere, aber auch mehr feinsinnige Hooks und hymnische Momente denn je. Und doch kommt dieses permanente Wechselbad der Gefühle prima zusammen, geradezu magisch, und bereitet mit seinen bekömmlichen Extremen große Freude. Der Einblick in die überwundenen inneren Gräben lässt aufgewühlt zurück und auf eine goldene Zukunft für diese fantastische Band hoffen.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 20.03.2026
Erhältlich über: Grand Hotel van Cleef / Midsummer Records (The Orchard)

Facebook: www.facebook.com/citylightthief

Teile diesen Artikel

Tags: , , , , ,

Category: Magazin, Reviews

Demonic-Nights.at - AKTUELLES