City Light Thief – Nothing Is Simple

| 25. Juni 2018 | 0 Comments
City Light Thief

(c) Sebastian Igel

Unverhofft kommt oft: Spontane Album-Releases ohne große Vorankündigung fassen langsam aber sicher auch in der Rock- und Metal-Szene Fuß. Aktuelles Beispiel dafür sind City Light Thief. Am 23. April fertig aufgenommen, veröffentlichten sie ihre neue Platte „Nothing Is Simple“ nur eine Woche später. Warum? Weil man nicht monatelang auf dem fertigen Album sitzen wollte. Wie ein Schnellschuss klingt das allerdings nicht, ganz im Gegenteil.

Im Endeffekt bleibt alles anders und doch gleich: City Light Thief bleiben ruppig und direkt, drängen zugleich aber in sämtliche musikalische Extreme ihres musikalischen Mikrokosmos. Für eingängigere Momente ist beispielsweise die Video-Auskopplung „Somersault“ zuständig. Klar verirren sich da zwischendurch ein paar Screams rein, der Refrain brennt sich dafür binnen Sekunden ein. „Infinity Loop“ schraubt den Härtegrad hingegen in die Höhe. Das deutsche Sextett reizt die Grenzen des im Post-Hardcore Machbaren aus, schreckt aber ebenso wenig vor bewegenden, melancholischen Momenten zurück.

Der Gummitwist des eröffnenden „To Hysteria:“ kommt ebenfalls gut. Komplett überdreht und vogelwild stürzen sie sich auf Circa Survive-Muster, drehen ihren Sound auf links und jagen wilde Dissonanzen durch die Boxen. Ja, das erinnert stellenweise sogar im besten Sinne an At The Drive-In. Ein anderes Highlight, „Communion“, bemüht sich hingegen um Reduktion. Hier schimmern durchaus Post-Rock-Muster durch, geschickt destilliert und überaus harmonisch serviert. Gerade die Gitarrenarbeit ist großes Kino. Mit dem kompakten, manischen „Fatigue“ und dem zwischen Nachdenklichkeit und Chaos pendelnden „No One, Nowhere“ haben sich gleich mehrere Wellenbrecher zwischendurch eingeschlichen.

In 46 kantigen Minuten tanken sich City Light Thief durch diesen Überraschungs-Release und wirken dabei zu keiner Zeit verloren. Ganz im Gegenteil, „Nothing Is Simple“ entpuppt sich als leichtfüßiger Kraftakt; ein Widerspruch an sich, der letztlich doch viele Facetten des Sounds der Grevenbroicher herrlich auf den Punkt bringt. Komplexe Core-Action, harmonische Momente und dissonante Querschläger geben sich die Klinke in die Hand, von wachsender Begeisterung begleitet. Ab August auch auf Vinyl.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 30.04.2018
Erhältlich über: Midsummer Records (Download-Album)

Facebook: www.facebook.com/citylightthief

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Category: Magazin, Reviews

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