Poison The Well – Peace In Place

| 20. März 2026 | 0 Comments
Poison The Well

(c) Sarai Kelly

Das erste Album seit über 15 Jahren, angekündigt durch einen kleinen Hinweis in einem limitierten Vinyl-Boxset ihrer bisherigen Releases: So vermeldeten Poison The Well ihr Comeback im Studio. Abgesehen von ausgewählten Reunion-Shows trat man zuletzt 2009 mit „The Tropic Rot“ in Erscheinung, dann ging es für die einstigen Metalcore-Urväter und Post-Hardcore-Meister in eine unbestimmte Auszeit. Nun also eine neue Platte, angeführt von den drei Urgesteinen Ryan Primack, Chris Hornbrook und Jeffrey Moriera, produziert von Will Putney. „Peace In Place“ gelingt es tatsächlich, die exorbitanten Erwartungen sogar noch zu übertreffen.

Der nervöse – Pardon – Aufgalopp von „Thoroughbreds“ passt ins Bild. Poison The Well tasten sich in den Track hinein, dann brechen alle Dämme und lassen massive, drückende Strophen anrücken. Das kantige, schroffe Dickicht macht ebenso Laune wie die leicht verwaschene Post-Hardcore-Melodik im Refrain. Etwas verplanter Gesang und markige Shouts finden zusammen, in weiterer Folge darf sich der Song auf Raten häuten und wiederholt mit ausgesuchter Urgewalt anrollen. Wer diesen von Gaze und Alternative angehauchten Sound mag, wird „Drifting Without End“ lieben – eindringlicher Gesang, dröhnender Bass und beeindruckende Harmonien nebst gespenstischen Einschüben.

Und doch sind Poison The Well dann am stärksten, wenn sie mit Anlauf vom Leder lassen. Wie in „Everything Hurts“, dessen finstere Strophen offen mit Schmerz und Erwartungen umgehen, herrlich beklemmend und zwischendurch geradezu hymnisch, bevor der Track wenige Momente später an einer imaginären Klippe zerschellt und regelrecht zerlegt wird. „Wax Mask“ setzt noch einen drauf, teilt mit wachsender Begeisterung aus und bricht am Höhepunkt ab. In „Weeping Tones“ taucht der nächste eingängige Chorus auf, der jedoch von nervöser Energie torpediert wird – stellenweise an den kurzen Major-Ausflug erinnernd, dann sogar mit klassischeren Metalcore-Anteilen flirtend. Schließlich macht „Plague Them The Most“ das Licht aus, schnürt die Kehle zu und sackt am Siedepunkt leblos in sich zusammen.

Dieses abrupte Ende passt ins Bild. Poison The Well teilen mit wachsender Begeisterung aus, wieder und wieder, und verbinden pure Überforderung mit diesen kleinen, aber feinen lichten Momenten, die sich festbeißen. Musikalisch nimmt „Peace In Place“ Elemente so ziemlich aller bisherigen Platten mit, spielt mit roher Härte, mit verstörender Post-Hardcore-Eingängigkeit, mit Metalcore-Anfängen und sucht konstant nach neuen Limits. Dass hier mehr als eineinhalb Jahrzehnte vergangen sind, scheint ausgeschlossen – zeitlos, unfassbar wuchtig, voller Wut und roher Emotionen, zugleich stets schillernd, unbequem und mit großen hymnischen Momenten ausgestattet. Poison The Well übertreffen sich selbst und zählen direkt wieder zur komplexen Metalcore-Speerspitze.

Wertung: 9/10

Erhältlich ab: 20.03.2026
Erhältlich über: SharpTone Records (Warner Music)

Website: www.poisonthewell.com
Facebook: www.facebook.com/poisonthewell

Slider-Pic (c) Sarai Kelly

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Category: Magazin, Reviews

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