Unprocessed – Angel

(c) Moritz Hartmann
Seit Jahren gehen Unprocessed ihren eigenen Weg im weiten Metalcore-, Modern-Metal- und Nu-Prog-Feld, veröffentlichen in Eigenregie, toben sich musikalisch wie visuell kreativ aus und touren fleißig. Alleine in den beiden Jahren seit dem Release von „…And Everything In Between“ spielte man unter anderem mit In Flames, TesseracT, August Burns Red, Spiritbox und Polyphia. Ihr neuester Streich heißt „Angel“ und befasst sich mit unbekannten Dingen, wie Erinnerungen aus dem Leben nach dem Tod. Das Engel-Konzept wird aus einer Reihe an Perspektiven beleuchtet, was sich ebenso in Musik und Lyrics niederschlagen soll.
Unprocessed haben also einiges vor und toben sich von Anfang an mit wachsender Begeisterung aus. So brodelt es im Opener „111“ einige Sekunden lang samt elektronischer Untermalung, bevor das Pulverfass explodiert. Wütende Djent-Salven mit wild angeschlagenem Bass, giftige Screams und ein Überangebot an Dissonanz machen alles flach. Mittendrin reißt die Druckwelle ab und öffnet sich für ruhige, fast poppige Ansätze und Klargesang, bevor beide Welten für das donnernde Finale zusammengeführt werden. In gut 200 Sekunden passiert mehr als bei anderen Bands auf einem kompletten Album. Dass derlei Pop-Elemente gekommen sind, um zu bleiben, zeigt beispielsweise das hymnische, butterweiche „Sacrifice Me“, das Modern-Prog-Dramaturgie, seltene Härte und ganz viel Gefühl zusammenbringt.
Es geht aber auch ganz anders, wie „Solara“ illustriert. Elektronische Einflüsse, Sprechgesang und Beat-Ansätze sowie ein wütender Gastbeitrag aus dem Hause Paleface Swiss schielen in Richtung Deathcore und Nu Metal. Letzteres taucht auch im zweiten Song mit Gastbeitrag, „Head In The Clouds“, auf. Jason Aalon Butler (Fever 333, letlive.) gibt den Anfeurer, bevor sich der imaginäre Himmel verfinstert. Prog-Chaos, Core-Brutalität und sogar ein Hauch Emo schwingen mit. Im Alleingang macht „Snowlover“ ordentlich Lärm und paart den erneut dominanten Bass mit Klargesang – heavy, eingängig und im richtigen Moment zerstörerisch. Mit „Perfume“ hat sich sogar eine waschechte Halb-Ballade eingeschlichen, zumindest für Unprocessed-Verhältnisse.
„Angel“ markiert ein gewisses, wenngleich willkommenes Risiko für Unprocessed, die ihren Sound gezielt erweitern und sowohl extreme Härte als auch ‚extreme‘ Eingängigkeit stärker in den Mittelpunkt rücken. Die Pop-Elemente kommen erstaunlich gut, ebenso der abgedrehte Djent- und Core-Wahnsinn mit zerstörerischem Bass-Sound. Dazwischen findet das Quartett seine innere und äußere Mitte mit modernem Metal, mit großen Prog-Fanfaren, mit bekömmlicher Urgewalt. Unprocessed zeigen sich in gewohnt bestechender Form, wagen mit ihrem Songwriting einiges und bieten einmal mehr maximale Unterhaltung mit Herz, Hirn und Bewegungstherapie für die Nackenwirbel.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 31.10.2025
Erhältlich über: Unprocessed (SPV)
Website: www.unprocessed.band
Facebook: www.facebook.com/Unprocessedofficial


Letzte Kommentare