Unprocessed – Artificial Void

| 9. August 2019 | 0 Comments
Unprocessed

(c) Benjamin Malsy // Aminsy Media

Im April vergangenen Jahres veröffentlichten Unprocessed mit „Convenant“ eine hochgradig spannende Platte an den Ausläufern der großen Djent-Welle, die leider vielerorts (auch hier) zu Unrecht unbeachtet blieb. Dabei hat der moderne Prog-Sound des deutschen Quintetts großen Mehrwert, durch anspruchsvolles Songwriting und griffige Riffs befeuert. 17 Monate nach dem Debüt für Long Branch steht bereits der Nachfolger „Artificial Void“ in den Läden. Mit einem Schnellschuss hat das Album allerdings herzlich wenig zu tun.

Dass die Djent-Wurzeln längst nicht gekappt sind, zeigt „Fear“ recht eindrucksvoll. Es schrubbt und slappt ordentlich zu Beginn, bevor es beinahe ruhig wird. Klarer Chef im Ring ist Michael Gardner Fernandes, dessen klare Stimme Ruhe und Emotion ausstrahlt, ohne sich dafür großartig verrenken zu müssen. Die Band zieht nach, erschafft ein geschicktes Wellenspiel aus Intensität und Entspannung, wahlweise dem Kollapse und der Ambient-Spielwiese nahe. Natürlich geht es auch lauter, wenn „Abandoned“ zwischendurch aggressive Shouts zu Stakkato-Attacken serviert, von melodisch-proggigen Gitarren geschickt entstellt. Der musikalische Widerspruch ist fix im Sound verankert, die ruhigen Flächen rundherum kommen gut.

Überhaupt ist dieses „Artificial Void“ immer wieder für Überraschungen gut, die so am ehesten an The Safety Fire oder Valis Ablaze erinnern. Verspielte, beinahe süßliche Melodien zieren „Another Sky“, dessen wiederholte Eruptionen mit purer Eingängigkeit konterkariert werden. Wirklich fiese Uptempo-Schlachten, wie der druckvolle Opener „Prototype“, bleiben allerdings die Ausnahme. Hier geben sich Unprocessed im besten Sinne dem Muckertum hin, holen das Maximum aus ihren Instrumenten heraus und strahlen pure Unberechenbarkeit aus, auf welche mit dem Titelsong eine weitere schwer greifbare Monstrosität mit faszinierendem Modern Prog folgt.

Das Happening Unprocessed in gebührende Worte zu fassen – ein bereits im Vorhinein zum Scheitern verurteiltes Unterfangen. Natürlich ist „Artificial Void“ schwere Kost. Eine knappe Stunde Spielzeit, zahlreiche Zäsuren und Zwischenspiele, dazu wechselnde Druckwellen verschiedenster Ausprägung und Intensität zwingen beinahe in die Knie. Mehrere Durchläufe sind Pflicht, um den wilden Modern-Prog-Sound des Quintetts im Kopf zu sortieren. Dahinter verstecken sich Cleverness, Reife und purer Wahnsinn – ein mehr als fettes Versprechen für eine rosig-scharfkantige Zukunft.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 09.08.2019
Erhältlich über: Long Branch Records (SPV)

Facebook: www.facebook.com/Unprocessedofficial

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Category: Magazin, Reviews

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