Revocation – New Gods, New Masters

(c) Alex Morgan Imaging
Die Häutung von Revocation setzt sich fort. Vor drei Jahren überraschten sie mit vergleichsweise geradlinigem Death Metal und schraubten die Prog- und Tech-Anteile deutlich zurück. Das ist aktuell, zumindest teilweise, wieder passé. Nun erneut als Quartett unterwegs – Live-Mitglied Harry Lannon übernimmt fix die zweite Gitarre und die Backing-Vocals, während Alex Weber den kürzlich ausgestiegenen Langzeit-Bassisten Brett Bamberger ersetzt – stellen sich die Veteranen extremer Klänge einen Tacken vielschichtiger und anspruchsvoller auf. „New Gods, New Masters“ befasst sich unter anderem mit künstlicher Intelligenz und ihrem Einfluss auf die Menschheit, obligatorische dystopische Visionen und Horrorszenarien inklusive.
Dafür braucht es natürlich die richtige Unterstützung, und da langen Revocation auf diesem Longplayer beherzt zu. Für das massive, finstere „Confines Of Infinity“ konnte Travis Ryan von Cattle Decapitation gewonnen werden. Was erst erstaunlich schwerfällig und groovend durch die Szenerie stampft, entwickelt im Laufe der Zeit ein abgedrehtes, technisch versiertes Eigenleben, feines Solo und Bree-Wahnsinn inklusive. In siebeneinhalbminütigen Rausschmeißer „Buried Epoch“ erfüllte sich die Band einen kleinen Traum und holte sich Luc Lemay von Gorguts ins Studio. Die Art und Weise, wie sich der bedrohliche, geschickt stockende Track immer wieder häutet, urplötzlich durch die Decke geht und sogar etwas Deathgrind hinzuholt, kommt gut.
Der eröffnende Titelsong „New Gods, New Masters“ schlägt die Brücke zwischen dem unmittelbareren Death-Metal-Sound des letzten Albums und dessen Vorgängern. Revocation ringen fast durchgehend mit vermeintlichen Limitierungen und brechen im ruhigen, verspielten Mittelteil aus. Jazz-Gitarrist Gilad Hekselman ist angesichts des wahnwitzigen Spiels mit Genres eine gar nicht mal so ungewöhnliche Gast-Wahl. Der gemeinsame Track „The All Seeing“ entwickelt sich zum instrumentalen, unorthodoxen und sogar zeitweise melodischen Powerhouse. Das kann man von „Cronenberged“ hingegen nicht sagen. Jonny Davy von Job For A Cowboy gibt sich für diesen Höllenritt ein Stelldichein, die zeitweise sogar mit Deathcore flirtende Urgewalt macht seine Sache gut. Wie auch „Despiritualized“, ein weiteres Beispiel für konstante Häutung, technischen Anspruch und geradlinigen Groove.
Exakt das beherrschen Revocation auf ihrem neuesten Longplayer unverschämt gut. Zwar erreichen sie das exorbitante Niveau ihrer Alben in den 10er Jahren nicht komplett, doch ist „New Gods, New Masters“ ohne Frage ein Schritt in die absolut richtige Richtung. Dieses massive Powerhouse bricht wieder und wieder in allerlei Extreme auf und aus, vergisst aber keinesfalls auf die Direktheit der letzten Platte. Insgesamt mehr technischer Anspruch, kaputter Prog-Wahnsinn, starke Gäste, aber auch brutale Heavyness finden zu einer mehr als bekömmlichen, verstörenden Platte zusammen, die sämtliche Widersprüche mit derber Ekstase zelebriert. Die Formkurve zeigt fraglos nach oben.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 26.09.2025
Erhältlich über: Metal Blade (Sony Music)
Website: www.revocationband.com
Facebook: www.facebook.com/Revocation


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