Hamferð – Men Guðs hond er sterk

| 22. März 2024 | 0 Comments
Hamferð

(c) Gaui H Pic

Bei Hamferð muss man Geduld mitbringen, nicht nur ob des doomigen Sounds des Sextetts von den Färöer Inseln. Lange Wartezeiten sind normal, „Támsins likam“ hat auch schon wieder mehr als sechs Jahre auf dem Buckel. Zwischen pandemischer Pause und einem geschäftigen bürgerlichen Leben dauert es ein wenig, bis alle zusammenkommen. Für den neuesten Streich „Men Guðs hond er sterk“ (dt. „Doch stark ist die Hand Gottes“) wollte man den Sound erweitern, ohne dabei auf die eigenen Wurzeln zu vergessen. Stärkere Death-Metal-Einflüsse und derber Post Metal mischen dieses Konzeptalbum auf.

Für den roten lyrischen Faden blicken Hamferð nach Sandvík, Heimatort von Keyboarder Esmar Joensen, wo 1915 ein Unfall beim Walfang in der Bucht 14 Männern das Leben kostete – unter den Augen der am Ufer wartenden Bevölkerung. Unter diesem Gesichtspunkt wirken Tracks wie „Ábær“ (dt. „Zum Sturm“) noch eindrucksvoller. Der donnernde Opener wechselt zwischen dramatischem Klagelied und fatalistischen Growls. Die Macht des Sturms wird ebenso deutlich wie das überlebenswichtige Bedürfnis, die eigene Existenz durch den Fang abzusichern, während nach und nach die drastische Lage erst bewusst wird.

Das Setzen frischer musikalischer Akzente wird in Tracks wie „Hvølja“ (dt. „Walhaut“) überaus deutlich. Die Färinger steigen in gutturale Untiefen hinab, bemühen katastrophales Dröhnen und wütende Schreie, die Sludge und Black Metal einbringen, ohne vom Death-Doom-Kurs abzukommen – ein hässlisches, zerstörerisches Stück Musik, welches das Ausmaß dieses fatalen Unfalls erst so richtig deutlich macht. Auch „Í hamferð“ (dt. „Als Erscheinungen“) wagt sich in brachiale bis rasende Gefilde, gekonnt von bittersüßer Melodik eingerahmt. Und dann ist da noch „Rikin“ (dt. „Getrieben“), das die Balance aus alten und neuen Klängen perfekt erwischt und zur donnernden, emotional aufgeladenen Doom-Hymne mutiert.

Hamferð wagen etwas und werden dafür belohnt. Ihr trauriger, melodischer Trademark-Doom-Sound wird keinesfalls verworfen, erhält bloß einen frischen Anstrich. Mehr Tiefe, mehr Brutalität, dazu spürbare Wut und Verzweiflung über eine echte Katastrophe führen zu Death Metal, zu Black Metal, zu Post Metal, sogar zu etwas Sludge. All das fügt sich nahtlos in „Men Guðs hond er sterk“, als wären diese Elemente schon immer (so deutlich) vorhanden gewesen. Die Färinger wachsen musikalisch noch weiter und legen ein weiteres Überalbum vor. Langsam macht das Angst.

Wertung: 9/10

Erhältlich ab: 22.03.2024
Erhältlich über: Metal Blade (Sony Music)

Facebook: www.facebook.com/Hamferd

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Category: Magazin, Reviews

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