Deathwhite – Grave Image

| 28. Januar 2020 | 0 Comments
Deathwhite

(c) Shane Mayer

In einer Welt, die von bewusster Ignoranz und Heuchlerei bestimmt wird, wo Fakten alternativ sein können und die Wahrheit scheinbar ein fließendes Konstrukt geworden ist, legt sich eine düstere Wolke immer weiter über die Gesellschaft. Für Deathwhite ist das der perfekte musikalische Nährboden. Die Mitglieder verstecken ihre Identitäten – man weiß nur, dass sie über die ganze USA verstreut sind. „Grave Image“ ist das zweite Album des Dark-Metal-Quartetts, hochgradig verstörend und doch von einer gewissen Schönheit befallen.

Die Erlösung scheint weiter weg denn je: „Further From Salvation“ ist einer der Eckpfeiler dieser Platte und fügt sich in Dramatik und reicher Gestik wunderbar in den wirren Duktus ein. Von klagendem Gesang bis zu beschwörendem Flüstern, von feinsinniger Melodik bis zu dicken Gitarren bringt dieser Fünfminüter Deathwhite auf den Punkt und schält auf dem Höhepunkt sogar ein kleines Gitarrensolo aus dem Arrangement. Echte Heavy-Hitter bleiben eine Ausnahme, auch wenn „Words Of Dead Men“ sämtliche Qualitäten dafür mitbringt. Schnell nehmen die maskierten Kapuzenmänner das Tempo heraus und setzen stattdessen auf feistes Gefühl mit Stahlkanten.

Eine gewisse Doppelbödigkeit ist auf dieser Platte scheinbar Pflicht. Wie sich der Rausschmeißer „Return To Silence“ Schritt für Schritt entblättert und wildromantische Momente freilegt, nur um im nächsten Moment – wenn auch nur kurz – am Rad zu drehen, reißt mindestens so mit wie der kraftvolle Titelsong. „Grave Image“ setzt seine dicken Gitarren sparsam ein, von stampfenden Drums herrlich in Szene gesetzt. Und auch der stellenweise sperrige, dann wieder süßliche Opener „Funeral Ground“ offenbart gewisse Reize.

Deathwhite packen sofort zu. Auf den ersten Blick scheint „Grave Image“ eine kurzweilige, unauffällige Platte zu sein – gefällt, aber nicht mehr. Der Teufel liegt allerdings im Detail, und so häuten sich die Tracks erst nach und nach mit ihren falschen Fährten, süßen Melodien und im besten Sinne verstörenden, unbequemen Zwischenspielen. So eingängig das Album auch klingt, es will wohl nur bedingt gefallen und passt sich somit dem lyrischen Thema an. Geschickt eingefädelt, anständig präsentiert und auf unterschwellige Weise verstörend – der düstere Nebel unterhält.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 31.01.2020
Erhältlich über: Season of Mist (Soulfood Music)

Website: deathwhite.com
Facebook: www.facebook.com/deathwhiteofficial

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Category: Magazin, Reviews

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