Novembers Doom – Nephilim Grove

| 30. Oktober 2019 | 0 Comments
Novembers Doom

(c) Prophecy Productions

Vor mittlerweile 30 Jahren wagten Novembers Doom ihre ersten Schritte. Damals hießen sie noch Laceration und zockten Death-Thrash. Heute versteht sich das Quintett um Urgestein und Frontmann Paul Kuhr als Death-Doom-Klangforscher, die bevorzugt ins Extreme und Progressive abschweifen. Mit dem Wechsel zu Prophecy Productions geht die neue Platte „Nephilim Grove“ einher, die vom Altenteil oder gar so etwas wie Genügsamkeit nichts wissen will.

Den vielleicht besten Moment ihres elften Studioalbums feuern die US-Amerikaner gleich zu Beginn ab. „Petrichor“ zeigt auf eindrucksvolle Weise, wofür Novembers Doom 2019 stehen. Nach einem kurzen Intro geht es in media res. Schlagzeug und Bass strahlen willkommene Nervosität aus, experimentieren mit Polyrhythmik. Kuhr bleibt hingegen ruhig mit süßlichen Gothic-Harmonien und gekonnter Düsternis. Nach einer gewaltigen Zäsur hebt der Track komplett ab. Epische Gitarrensoli, wütende Attacken und ein komplexes Arrangement, das im besten Sinne an Borknagar erinnert, peitschen sich zu ungeahnten Höchstleistungen.

Dieses Ausnahmelevel vermögen die Herren aus Chicago nicht ganz zu halten, doch schwach ist das übrige Material nun wirklich nicht. Da wäre beispielsweise der furiose Ausritt „Black Light“ mit thrashigen Einschüben, wütenden Growls und (schon wieder!) nervösem Zittern im Refrain – einer der härtesten, wütendsten Tracks dieser neuen Platte. Hingegen bemüht sich der Titelsong „Nephilim Grove“ um puristische Death-Doom-Schönheit, die unweigerlich Vergleiche mit Swallow The Sun heraufbeschwört. Feinsinnige Melodien und pure Bosheit laden zum wilden Tango, der im mit semi-klassischen Sounds behafteten „The Clearing Blind“ eine packende Fortsetzung findet. Schließlich wirft das abschließende „The Obelus“ alles in den Mixer und rastet wiederholt aus.

Unverhofft kommt oft: Bereits der Vorgänger „Harmatia“ deutete Großes an, „Nephilim Grove“ löst die Versprechen nun über weite Teile ein. Natürlich thront der unwiderstehliche Opener „Petrichor“ über allem, doch der wilde Mix aus Death-Doom, Prog und Gothic liefert auch rundherum spannende Exkurse und Erkenntnisse. Novembers Doom erleben ihren x-ten Frühling und sind drauf und dran, in verdiente neue Sphären vorzudringen. Diese kleine Perle begeistert mit jedem Durchlauf mehr.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 01.11.2019
Erhältlich über: Prophecy Productions (Soulfood Music)

Website: www.novembersdoom.com
Facebook: www.facebook.com/NovembersDoom1989

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Category: Magazin, Reviews

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