Amon Amarth – Berserker

| 3. Mai 2019 | 0 Comments
Amon Amarth

(c) Jonathan Weiner
/ www.jweinerphotography.com

Die Viking (Raiders) Experience von Amon Amarth geht bereits in die elfte Runde. Längst zählen die Schweden zum metallischen Inventar und schaffen es immer wieder geschickt, ihrem Sound die nötige Frische zu verleihen, ohne dabei die Wurzeln zu vernachlässigen. „Jomsviking“ zwängte den etatmäßigen Melodic Death Metal zuletzt in ein konzeptuelles Korsett und tat sich ein wenig schwer – ein Spätzünder, wenn man so will. Der Nachfolger „Berserker“ öffnet sich nun in vielerlei Hinsicht und gibt sich zugleich noch eine Spur epischer und klassischer.

„Fafner’s Gold“ eröffnet mit folkloristischen Klängen, dann legt das Quintett urplötzlich den Schalter um und stimmt einen episch angehauchten Dampfhammer an. Natürlich geht es wieder um Heldengeschichten, um Schlachten, Mythen und Legenden. Johan Hegg grummelt in Bestform, musikalisch setzt es eine gefällige Midtempo-Hymne mit gelegentlicher Tempoverschärfung und ordentlich Power. Die Kessel vibrieren, die Atmosphäre ist dicht. Im Anschluss überrascht „Crack The Sky“ mit einem schroffen, direkten Riff, das an entschleunigten Thrash erinnert. Zwischen Stomper und erhabenem Schlachtross angesiedelt, landet der nächste Volltreffer mit klassischen Elementen.

Tatsächlich wenden sich Amon Amarth zumindest musikalisch typischeren Metalklängen zu, ohne auch nur ein Stück vom Melodic-Death-Fundament abzurücken. Kurzum: Das neue Material ist unheimlich episch, wie die Schlachtengeschichte „The Berserker At Stamford Bridge“ beweist. Unwahrscheinlich fiese, durchdringende Vocals – Hegg wirkt stellenweise geradezu heiser – und feinste Midtempo-Arbeit mit großartigen Melodien und Soli sorgen für einen neuen potentiellen Klassiker. Natürlich rühren die Schweden weiterhin die Kessel und stimmen mit „Skoll And Hati“ und „Ironside“ richtig schön dichte, eskalierende Schlachtplatten an. Die feine epische Klinge von „Mjölner, Hammer Of Thor“ und der majestätische Stomper „When Once Again We Can Set Our Sails“ reißen ebenfalls mit.

Es mag kein zweites „Twilight Of The Thunder God“ geworden sein, aber vielleicht ist das auch gut so. Amon Amarth gehen neue Wege auf vertrauten Pfaden und reichern ihren Sound weiter an. Mehr Epik, mehr Drama, mehr Heldentum und mehr Abwechslung lassen „Berserker“ zum Grower mutieren. Der eine oder andere Durchlauf ist Pflicht, um dieses ellenlange Mammutwerk vollends greifen zu können, und doch ist es ohne Frage eine richtig gute Platte geworden. Die Schweden entwickeln sich konsequent weiter, natürlich ohne Rücksicht auf Verluste. An diesen Hymnen wird man noch lange viel Spaß haben.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 03.05.2019
Erhältlich über: Columbia Records (Sony Music)

Website: www.amonamarth.com
Facebook: www.facebook.com/amonamarth

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Category: Magazin, Reviews

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