Tempel – Tempel

| 22. März 2019 | 0 Comments
Tempel

(c) Jansen Records

Wenn Kjetil Gjermundrød nicht gerade die Drumsticks für Kvelertak schwingt, dann macht er gemeinsam mit seinen Brüdern Espen und Inge Musik. Kindheitsfreund Andreas Espolin Johnson vervollständigt das Line-up von Tempel, deren Musik durchaus vertraut klingt. Tatsächlich schleichen sich hier und da Riffs der Hauptband ein, wenn auch mit mehr Thrash-, Stoner- und Hardcore-Einflüssen. Ihr Debütalbum hört schlicht und ergreifend auf den Namen „Tempel“, hat mit dem gleichnamigen Doom-Duo aber herzlich wenig zu tun.

Über „Vendetta“ hangelt sich das Quartett geradezu fieberhaft in ihren Einstand. Thrash-Unruhe, Hardcore-Attitüde und Heavy-Riffing geben sich die Klinke in die Hand, begleitet von heiseren Shouts und ordentlich Dreck im Arrangement. Melodische Gitarrenarbeit bricht zwischendurch ein wenig mit dem Dauerfeuer und geleitet gen vergleichsweise entspanntes Finale. Ganz so brachial gibt sich „Wolves“ nicht, auch wenn hier ein paar ordentliche Death-Metal-Drumsalven auf mehrstimmige Classic-Rock-Leads treffen. Dieses Spiel mit musikalischen Welten, von Kjetil Gjermundrøds Hauptband bestens bekannt, weiß zu unterhalten.

Tempel sind aber keinesfalls Kvelertak light, wie sie immer wieder unter Beweis stellen. Ein Track wie „Forest Cemetery“ führt beispielsweise gleich mehrfach auf die falsche Fährte. Was zunächst klaustrophob, geradezu manisch anmutet, verfällt schnell in tödliche Sprints und wahre Uptempo-Schlachten, in denen sogar Enslaved grüßen lassen. Gezielte Tempo-Verschleppungen, ellenlange Instrumental-Passagen und urplötzliche Zwischensprints sorgen für fünf unruhige Minuten – eine Form von Wahnsinn, an die bestenfalls noch „Torches“ halbwegs herankommt. Hier treten die Stoner Rock-Einflüsse der Norweger deutlicher denn je zum Vorschein.

Für „Tempel“ standen allerlei Granden Pate, denn vom erdigen Thin Lizzy-Rock bis zum abgedrehten Mastodon-Wahnsinn – natürlich sämtlicher Bandphasen, denn die Norweger machen keine halben Sachen – nimmt dieses Debüt alles mit, was gerade irgendwo herumliegt. Tempel entpuppen sich als Könige harscher Wutausbrüche, packender Melodien und wütender Metal-Tradition – ein hochspannender Spagat mit eingeflochtenen Schönheitsfehlern, die für zusätzliche Sympathie sorgen. Da muss sich selbst Kjetil Gjermundrøds musikalischer Arbeitgeber warm anziehen.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 22.03.2019
Erhältlich über: Jansen Records (Membran)

Facebook: www.facebook.com/tempelmusikk

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Category: Magazin, Reviews

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