Cataya – Firn

| 20. September 2018 | 0 Comments
Cataya

(c) Sam Bello

Für so manchen Skifahrer – insbesondere die Freerider – gibt es nichts Schöneres als kräftigen Firnschnee in Angriff zu nehmen. Dabei handelt es sich um alten und kompakten Schnee, der seit mindestens einem Jahr besteht und vor allem in hochalpinen Regionen zu finden ist. Dieser klirrend-kalte und doch so beständige Begriff inspirierte offenkundig auch das deutsch-belgische Sextett Cataya. Auf ihrem zweiten Album „Firn“ lassen sie abermals Post Rock und Post Black Metal miteinander kollidieren.

Vier Songs in knapp 40 Minuten – das kennt man bereits vom Debütalbum. Die Mini-Epen der deutsch-belgischen Freundschaft machen so manche spektakuläre Verwandlung durch, wie der Opener „Destiny“ nahezu perfekt vorexerziert. Ruhig und beschaulich hangeln sich Cataya in den Song, bemühen beinahe balladeske Strukturen und spielen mit fragilen Motiven. Russian Circles lassen ob der schleichenden Intensivierung grüßen, konstant und konsequent wird auf die große Post-Rock-Explosion hingearbeitet. Und dann, nach ca. sechseinhalb Minuten, folgt die plötzliche Tempo-Verschärfung zwischen Shoegaze und Black Metal. Ja, hier treffen Geschwindigkeit und melodische Gemächlichkeit aufeinander, trotz abstoßender Untertöne ganz der Schönheit des Moments gewidmet.

Das liest sich eigentlich wie ein Widerspruch in sich und eigentlich dürften die Mechanismen dieses Albums nicht greifen. Wie geschickt Cataya mittlerweile unterwegs sind, illustriert „Vis À Vis“. Hier gewinnen die Post Black Metal-Elemente nach und nach die Überhand, sind eigentlich von Anfang an präsent und werden von kurzen, nachdenklichen Zäsuren gebrochen. Mit diesen umgekehrten Vorzeichen stellt das Sextett das komplette Genre auf den Kopf – vielleicht kein übermäßig neuer Einfall, wohl aber unwahrscheinlich gut und mitreißend präsentiert.

Und so wühlt dieses Album im besten Sinne auf, reißt sofort mit und stellt zugleich etablierte Hörgewohnheiten konsequent auf die Probe. „Firn“ mutet vertraut und doch ganz anders an, weil es eine Alternative zum klassischen Post Rock-Sound bietet, ohne zu tief in effektheischende, epische Black-Metal-Gefilde abzudriften. Genie und Wahnsinn halten sich geschickt die Waage, das zweite Album der deutsch-belgischen Band unterhält von vorne bis hinten mit leidenschaftlichem Kopfkino.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 28.09.2018
Erhältlich über: Moment of Collapse Records (Broken Silence)

Website: www.cataya-band.com
Facebook: www.facebook.com/cataya.band

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Category: Magazin, Reviews

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