Chrch – Light Will Consume Us All

| 7. Mai 2018 | 0 Comments
Chrch

(c) Joshua Coleman

Die unendliche Schwere des Seins zelebrieren Chrch mit wachsender Begeisterung. Das Quintett aus Sacramento im US-Bundesstaat Kalifornien versteht sich auf bleierne Düsternis. Ausgehend von klassischen Doom-Mustern, stürzen sie sich auf Mammut-Tracks, die im Nu von beinahe himmlischer Eingängigkeit gen donnernde Brachialgewalt rattern. Eine kräftige Portion Psychoterror mit unterschwelligem Schönklang säumt das zweite Album „Light Will Consume Us All“.

Drei Mammutkompositionen zwischen neun und gut 20 Minuten Spielzeit bahnen sich ihren Weg durch wild hin- und herwogende Aggregatszustände finster-anspruchsvoller Musik. Der Opener „Infinite“ fasst alles, was Chrch ausmacht, in sympathischer Überlange zusammen. Langsam, beinahe im Zeitlupentempo baut sich der Track auf, begleitet von Eva Roses Gesangsfetzen. Nach sechs Minuten verdichtet sich das Geschehen, erste Screams und Growls kündigen sich an, bevor die US-Amerikaner urplötzlich in donnernde, zähe Extreme wechseln. Zum Schluss hinaus finden Chrch schließlich doch wieder zu melodischer Ruhe und Klargesang zurück, nehmen das anfängliche Motiv erneut auf. „Infinite“ – der Name ist Programm.

Auch die beiden anderen Songs bewegen sich in ähnlichen Gefilden. „Portals“ lebt von beinahe Drone-artigen Riffs, wütend, kurz und präzise angeschlagen. Gesang und Screams wechseln sich ab, die Apokalypse scheint näher denn je. Das abschließende „Aether“, sozusagen der radiofreundliche Exkurs dieses Zweitlings, setzt instrumental vermehrt auf klassische Doom-Muster – desolat und doch süßlich-eingängig. Darüber lustwandeln abermals vokale Wechselspiele in fluktuierender Intensität.

Klingt abstrakt, ist es zu einem gewissen Grad auch: Chrch bewegen sich mit wachsender Begeisterung zwischen sämtlichen Extremen, welche ihr halbwegs eng gehaltener musikalischer Duktus hergibt. Zwischen beinahe verträumter Schönheit und ruppigem, psychotischen Wahn lässt sich „Light Will Consume Us All“ lässig nieder und leckt seine Wunden. Unter der bleiernen Decke regieren Weltschmerz und zarte Hoffnung – ein hochgradig faszinierendes Album für Grenzgänger mit Harmoniebedürfnis.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 11.05.2018
Erhältlich über: Neurot Recordings (Cargo Records)

Facebook: www.facebook.com/chrchdoomca

Tags: , , , ,

Category: Magazin, Reviews

Demonic-Nights.at - AKTUELLES