Alice Cooper – Paranormal

| 28. Juli 2017 | 0 Comments
Alice Cooper

(c) earMUSIC / Rob Fenn

Kommendes Jahr wird der Mann hinter der Kunstfigur Alice Cooper 70 Jahre alt. Was gibt es nach all den Jahrzehnten in der Musik-Industrie für den (ehemaligen) Schock-Rocker eigentlich noch zu sagen? An guten Songs mangelt es ihm und seiner prominent besetzten Band auf jeden Fall nicht. Anstatt, wie zuletzt beim fantastischen „Welcome 2 My Nightmare“, auf Konzept-Kunst zu setzen, sammelte Cooper für „Paranormal“ 20 Ideen an 20 Orten und machte einen bunten Strauß an neuen Songs daraus.

Die prominente Liste an Gästen liest sich wie ein Who-is-Who der internationalen Rock-Landschaft. Unter anderem gaben sich Billy Gibbons (ZZ Top), Larry Mullen (U2) und Roger Glover (Deep Purple) die Klinke in die Hand. Sie alle halten sich vornehm zurück und überlassem dem Maestro die Bühne. Zu den interessantesten Momenten der Platte zählt ohne Frage die Single „Paranoiac Personality“, dessen Refrain frappant an „Cult Of Personality“ von Living Colour erinnert. Der wuchtige Hard-Rock-Stomper wühlt kräftig in den 80s und ergänzt sich perfekt mit dem ähnlich ruhigen, etwas balladeskeren „The Sound Of A“.

Rundherum zeigen Cooper und Band beeindruckende Range. Der eröffnende Titelsong wirkt wie eine kleine Rockoper und knüpft am ehesten an „Welcome 2 My Nightmare“ an. „Rats“ bietet knapp 16o Sekunden Rock’n’Roll-Power mit einer gesunden Dosis Dreck und Biss. Die Midtempo-Hymne „Private Public Breakdown“ erinnert ein klein wenig an Weird Al Yankovic, während der bissige Death-Boogie „Dynamite Road“ und der mächtige, schweißtreibende Rocker „Fireball“ Coopers geniales Storytelling neben musikalische Referenzen an seine Anfänge stellen.

Apropos Anfänge: Für die Bonus-CD trommelt der Altmeister die drei überlebenden Mitglieder seiner Original-Band zusammen. Gemeinsam wurden zwei weitere brandneue Songs eingespielt. Der verkappte Surf-Track „Genuine American Girl“ verneigt sich vor Transgender-Toughness mit einer Beach-Boys-Hook und ein wenig klassischem Rock. Das vergleichsweise straighte, abermals hymnische „You And All Of Your Friends“ hingegen erinnert an die Anfänge von The Who. Reihenweise Live-Aufnahmen der großen Cooper-Klassiker runden den zweiten Silberling ab.

Ein klein wenig dauert es, bis Coopers neue Platte, gerade nach der schrägen Mini-Rock-Oper zu Beginn, so richtig Fahrt aufnimmt, und doch macht jeder Song auf seine ureigene Weise Laune. „Paranormal“ spielt mit allen musikalischen Phasen der Schock-Legende und packt reihenweise Mini-Hymnen neben gewohnt starke Texte, die immer noch kalte Schauer über den Rücken laufen lassen. Alice Cooper und Band haben nichts verlernt – sollte dies, mit einem Blick auf den baldigen 70er, der Abschluss einer langen, illustren Karriere sein, der passionierte Golfer und Guilltoinen-Fetischist könnte sich kaum einen besseren Abgang wünschen.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 28.07.2017
Erhältlich über: earMUSIC (Edel)

Website: www.alicecooper.com
Facebook: www.facebook.com/AliceCooper

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Category: Magazin, Reviews

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