Limb – Limb

| 23. April 2014 | 0 Comments

Limb

Ja, schon wieder eine Sludge-Band. Ja, diese Jungs verstehen im Gegensatz zur breiten Masse ihr Handwerk. Die 2011 gegründeten Limb aus London verbinden klassisch-amerikanische Sumpfklänge mit typisch britischem, geradezu manischem Doom Metal, manifestiert in gelegentlich ausladenden Songstrukturen und vergleichsweise reduziertem Sound. Auf die gefeierte 7″ „Gift Of The Sin“ folgt nun das erste Album, schlicht „Limb“ betitelt – eine überraschende Offenbarung.

Südstaaten-Sumpf und London-Doom-Lokalkolorit – was ein wenig eigenwillig klingt, funktioniert bestens, wenn süffige Klänge Marke I Exist mit dröhnenden Witchsorrow-Elementen kollidieren. Im Zentrum des Geschehens steht zunächst der Zweiteiler „Eternal Psalm“, zusammengerechnet knapp fünf Minuten lang. Hier steckt alles drin, was Limb ausmacht: der schleichende, doomige Aufgalopp – ein behäbiger, konzentrierter Aufbau, der durchaus Post-Rock-Dimensionen annimmt – röhrende Vocals, das blitzschnelle Umschalten über Rob Hoeys kehlige, mit Hall-Effekten beladene Schreie hin zu Kylesa-Grooves und einer blubbernden, beinahe bluesigen Gitarre.

Ihre musikalischen Extreme loten die vier Briten in weiterer Folge aus. „Daemoness“ geht als verhältnismäßig puristischer Sludge-Track durch (zumindest bis zum kleinen, finsteren Zwischenspiel vor dem fiesen Finale), „Gift Of The Sun“ vermischt ein archetypisches Stoner-Riff mit Doom-Exkursen und das folgende „El Salvaclaw“ nimmt das Tempo schließlich komplett raus, lässt zwischenzeitlich das Schlagzeug alleine stehen, treibt den Hang zur Reduktion auf eine neue Ebene. Wenn schließlich der abgefuckte Hardcore-Punker „Never Speak Ill Of The Dead“ das große Finale „Vathek“ einleitet, in dem Limb ihre gesamte musikalische Bandbreite in unter fünf Minuten abrufen, sind sämtliche Unklarheiten beseitigt.

Kritisieren kann man die Spielzeit, 34 Minuten sind gerade angesichts der ausladend doomigen Passagen ein bisschen wenig, rauben dem eponymen Debüt seinen Nachdruck. Und doch liegt in dieser Kürze, in dieser augenscheinlichen Unvollständigkeit ein nicht von der Hand zu weisender Reiz. Limb bringen, kurz und knapp, ihren übermäßig lauten, hässlichen, internationalen Sound auf den Punkt mit einem geschickten Spagat zwischen authentischem Underground-Mief und Hallen-Support-Act-Riffs. Dieses eigenwillige, leicht unschlüssige und gerade deswegen bei jedem Durchlauf aufs Neue spannende Gemisch bringt dem Quartett eine packende Punktladung zwischen bleiern schweren Stühlen ein.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 25.04.2014
Erhätlich über: New Heavy Sounds (Cargo Records)

Facebook: www.facebook.com/LimbTheBand

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Category: Magazin, Reviews

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