Taproot – The Episodes

| 13. April 2012 | 0 Comments

Taproot

Wie jeder (musikalische) Trend hat auch die Nu-Metal-Ära Ende der 90er und Anfang des neuen Jahrtausends einiges an Müll hervorgebracht. Es gibt jedoch immer die eine oder andere  Kapelle, welche auch Jahre nach dem anfänglichen Hype mit konstant solidem Material glänzen kann, ohne ihren Style zu sehr anzupassen. Auf „The Episodes“ wollen Taproot es dem geneigten Hörer jedoch nicht zu einfach machen.

In den 15 Jahren, die das Quartett aus Michigan bereits auf dem Buckel hat, haben die vier es mal mehr und mal weniger geschafft, ihre Experimentierfreudigkeit mit ihren Nu-Metal-Wurzeln zu einem dynamisch-harmonischen Ganzen zu vereinen. Das sechste Studioalbum trägt zwar den gewohnten Taproot-Stempel, schüttelt aber dennoch ein paar Überraschungen aus dem Ärmel. Enorm fette Riffs und Stephen Richards markante Stimme treffen auf beklemmend wirkendes Songwriting und zahlreiche Effekte.

Die Experimentierfreudigkeit wird nicht nur auf instrumentaler Ebene, sondern auch beim Gesang sehr deutlich. Verzerrte Vocals bzw. Flüstergesang geben in den Strophen der ersten drei Tracks den Ton an. Der Opener „Good Morning“ gibt sich in den ersten zwei Minuten ungemein sperrig, lebt im Mittelteil auf und nimmt gegen Ende gemäßigte Formen an. Die erste Single „No Surrender“ wirkt da schon mitreißender. Dezenter Flüstergesang während den Strophen wechselt sich mit emotionsgeladenen Ausbrüchen im Refrain ab. Der Grundtenor ist weiterhin bedrückend und wirkt durch die sterilen Elektronik-Einsprängsel und den Bass-lastigen Sound noch intensiver.

Der zwischenzeitliche Hang zu fast schon aufdringlich klingenden Industrial-Klängen, welcher sich auch im folgenden „Lost Boy“ bemerkbar macht, verleiht dem Album einen futuristischen Touch. Das dezent schleppende „Memorial Park“ präsentiert Taproot von ihrer melodischen Seite, wie man sie schon auf „Blue-Sky Research“ erleben konnte. Die Effekte halten sich in Grenzen und treten nur durch die Computer-Stimme in Erscheinung. Manchmal ist weniger einfach mehr. Ein weiteres Plus bekommt der Song durch die verdammt coolen Gitarrenharmonien von Mike DeWolf rund um den Refrain.

Akustikgitarre und relaxtes Drumming machen „The Everlasting“ wohl zum eingängisten Song der Platte. Man fühlt sich sofort an die guten alten Filter und deren Hit-Single „Take A Picture“ erinnert. Beim beklemmenden „Around The Bend“ schimmern dezente Deftones-Avancen durch. Auch im weiteren Verlauf bewegen sich die Jungs zwischen den eben erwähnten Bands und Chevelle-artigen Songstrukturen hin und her.

Taproot verdienen Respekt für ihren Mut zu Experimenten, auch wenn diese Herangehensweise hin und wieder auf Kosten der Eingängigkeit und Dynamik geht. „The Episodes“ hätte ein echtes Alternative Metal-Brett werden können, wenn man die Zügel öfter locker gelassen hätte. Für den Mainstream möglicherweise zu sperrig, dürften jedoch Freunde modern-unkonventioneller Rock-Kunst an dieser Platte ihre Freude haben.

Wertung: 7/10

Erhältlich ab: 13.04.2012
Erhältlich über: Victory Records (Soulfood Music)

Website: www.taprootmusic.com
Facebook: www.facebook.com/TaprootMusic

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Category: Magazin, Reviews

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