Harlott – Exsequiis

| 10. September 2026 | 0 Comments
Harlott

(c) Rob Brens

Seit 20 Jahren verteilen Harlott Nackenschläge im Thrash-Revivalism-Mikrokosmos. Das australische Quartett wählte seinen Namen ursprünglich, weil er auf einem T-Shirt gut aussehen würde, und veröffentlichte im Anschluss eine wütende Trilogie an Alben, die nach wie vor zur Speerspitze der letzten Genre-Welle zählen. Ihr etwas experimentelleres letztes Album „Detritus Of The Final Age“ hat mittlerweile fast sechs Jahre auf dem Buckel. Diesen Weg verfolgt man weiter, ohne sich von klassischem Bay-Area-Thrash sowie pointierten Texten über politische und soziale Unruhe, Desinformation und gesellschaftliche Spaltung zu verabschieden. „Exsequiis“ nimmt abermals keine Gefangenen.

Nach einem kurzen Intro startet „Void“ in media res, infernal und manisch zugleich. Das finstere, maximal unbequeme Riffing macht Laune, das Tempo ist hoch, die Vocals wirken wütend und giftig. Ein Hauch von Groove im Chorus, ein finsteres Breakdown und ein urplötzlicher Vollsprint stiften Verwirrung, bevor ein klassisches Solo übernimmt. Das ist noch lange nichts gegen das ebenso grandiose „Messiah Simplex“, das zwischendurch ein paar Blasts einstreut und wiederholt die Entschleunigung sucht. Harlott überholen sich selbst, nur um im nächsten Moment lässige Heavyness mit nahezu melodischen Tönen zu kreuzen.

Wenig überraschend ist nichts an dieser Platte einfach, was vor allem die längeren Songs in der zweiten Albumhälfte untermauern. „A Still More Glorious Dawn Awaits“ hat das Zeug zur Hymne, beginnt relativ unscheinbar und verbindet schließlich melodischem Gesang mit wütenden Double-Bass-Salven im Chorus – ein einfacher und zugleich richtig starker Kunstgriff. Im Vergleich dazu fällt „Endling“ relativ ursprünglich aus, erinnert etwas an jüngere Exodus-Platten angesichts seiner Explosivität, nur um zwischendurch ein ultramelodisches Riff aus dem Ärmel zu schütteln. Die obligatorischen kurzen, knackigen Abräumer „Kleptogenesis“ und „Vice Borne“ gehen hingegen ohne Umwege nach vorne, verbinden beißende Härte mit Ohrwurmqualitäten.

Wieder etwas anders, wieder richtig gut: Harlott beweisen Mut zum Risiko und räumen damit weitestgehend ab. Ihre leicht verkopfte Heavyness behalten sie sich, zwischenzeitlich mit maximaler Brutalität und dezent schwarzmetallischen Auswüchsen angereichert, klingen aber zugleich einen Tacken melodischer und hymnischer als zuletzt. Diese dezente Eingängigkeit verleiht einer guten Platte die nötige Würze, wirkt stellenweise ein klein wenig brav. Finden all diese Welten künftig noch besser zusammen, steht einem weiteren Thrash-Klassiker wohl nichts im Weg, doch auch jetzt ist „Exsequiis“ bereits mehr als ein Schritt in die richtige Richtung und untermauert einmal mehr die Klasse der Thrasher aus Down Under.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 11.09.2026
Erhältlich über: Metal Blade (SPV)

Facebook: www.facebook.com/HarlottOfficial

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Category: Magazin, Reviews

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