Russian Circles – Nine

| 25. August 2026 | 0 Comments
Russian Circles

(c) Chris Strong

Mit großen Jubiläen und Feierlichkeiten haben es Russian Circles nicht so. Als sie 2024, während der Tour zu „Gnosis“, den 20-Jahre-Meilenstein erreichten, wurde einfach und unbeeindruckt weitergemacht. Das mittlerweile über Chicago, Los Angeles und kleine Insel vor Seattle verteilte Trio lässt so und so am liebsten die Musik für sich sprechen. Erneut ging man mit Kurt Ballou ins Studio, dieses Mal wieder gemeinsam. Die aus der Distanz und den Begleitumständen entsprungene Härte des Vorgängers wird aber keinesfalls ad acta gelegt: „Nine“, das – nun ja – neunte Album der Band, langt erneut wortlos und beherzt zu.

Dabei erweisen sie sich einmal mehr als Meister der Beständigkeit. Bereits der unbequeme und zugleich immersive Opener „Borehole“ setzt auf vertraute Qualitäten, wirkt knorrig und kantig, während sich die singende Gitarre nach und nach ins Unterbewusstsein bohrt. Albtraumhafte Szenarien und wütender Druck finden zusammen, ohne jemals zu eskalieren – gleichförmige Wucht zerlegt alles. Und doch entfliehen Russian Circles gerne mal den Erwartungen. Wie in „E2“ mit synthethischem Einsatz und etwas Dub in den Basssaiten, ein erstaunlich verspielter Track … bis mittendrin eine geradezu metallische Wand mal eben alles flach drückt.

Der donnernde Rausschmeißer „Seventh Seal“ hätte ebenfalls prima auf den Vorgänger gepasst, entfaltet sich in schier endlosen Schleifen und Salven, und taucht so richtig in post-metallische Wut ein. Aggressionen schwingen dennoch bestenfalls unterschwellig mit – ein Kunstgriff, den das US-Trio bestens beherrscht, speziell im tosenden, nahezu groovenden Abgang. Als Herzstück tut sich allerdings „Eluvial“ hervor, das mehr als acht Minuten lang die eigenen Grenzen auslotet und epischen, erhabenen Post Rock/Metal par excellence serviert. Ellenlanger Aufbau mit hoffnungsvollen Melodien, plötzliche Finsternis, kurzes Innehalten, zermürbendes Crescendo – es kann manchmal tatsächlich so einfach sein.

Mit einem ihrer besten Songs runden Russian Circles ein Album ab, das sich nahtlos in ihren bisherigen Katalog einfügt. Es gibt das eine oder andere Highlight, keinerlei Ausfälle, bloß wertige Qualität und packendes Storytelling von der ersten bis zur letzten Minute. „Nine“ greift die erdrückende Intensität des Vorgängers auf, spielt damit geschickt und versieht diese mit der einen oder anderen frischen Idee. Speziell die synthetischen Anteile, aber auch fast fragile Fragmente, die an die Anfangstage erinnern, erfüllen alle Erwartungen und Hoffnungen. 20 Jahre nach ihrem ersten Album bleiben Russian Circles begeisternde Post-Meister mit dem einen oder anderen Ass im Ärmel.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 28.08.2026
Erhältlich über: Sargent House (Cargo Records)

Website: russiancircles.com
Facebook: www.facebook.com/russiancirclesmusic

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Category: Magazin, Reviews

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