Knivad – Lilla vackra människa

| 9. September 2026 | 0 Comments
Knivad

(c) Lisa Larsson

Für manche ist immer eitel Sonnenschein – eine Welt voller Hoffnung auf schöne Tage, von Freundschaft und Gemeinschaft bestimmt. Knivad sehen das etwas anders. Seit seiner Gründung steht das Quartett aus Göteborg für die Abgründe des Seins und thematisiert unter anderem den menschlichen Instinkt für Selbstzerstörung sowie den langsamen Zusammenbruch der modernen Gesellschaft. Ihr zweites Album „Lilla vackra människa“ fällt betont persönlich aus, befasst sich mit Leben und Tod, wandelt am Abgrund und beobachtet mit Furcht und Hoffnungslosigkeit, wie Menschen verschwinden und zu Erinnerungen werden.

Bevorzugt rattern die Nordlichter in aller Kürze durch. Hardcore, Punk, Metal, Crust und D-Beat finden zusammen, beispielsweise im gekonnt eskalierenden „Bältd“. Zeit für den Aufgalopp bleibt nicht, denn das Ding explodiert sofort und ohne Rücksicht auf Verluste. Disfear lassen grüßen, selbst im erstaunlich melancholischen Zwischenspiel. „Dagen det dödade dig“ stellt seinen ruhigen Moment an den Anfang: Ominöse, melancholische Gitarren tasten sich durch die Dunkelheit, die restlichen Instrumente setzen ruckartig und urplötzlich ein. Death und Thrash kommen hinzu und lassen den verwesenden Wahnsinn noch weiter eskalieren, mittendrunter überrascht doomige Schwere.

Davon gibt es in „Ett liv“ mehr, mit über fünf Minuten Spielzeit gewiss ein Ausreißer. Die sägenden Gitarren, angedeuteten Melodien und dennoch geifernden, verzweifelten Screams platzieren sich zwischen den Stühlen. Doom-Punk-Epik steuert auf eine schwarzmetallische Apokalypse zu, der große erhabene Moment bleibt jedoch aus. Im abschließenden „Vad är det för fel på mig?“ bäumen sich Knivad kaum auf und überraschen mit Post-Punk-Einschüben, die prima zum ratternden D-Beat-Husarenritt passen. Pure Finsternis und schnell erloschene Hoffnung finden zusammen. Hingegen illustriert der Titelsong, wie man mit reduzierten Mitteln und purem Abriss sich und alles rundherum in die Knie zwingen kann.

Einen Schönheitspreis gibt es für diese 33 Minuten gewiss nicht – glücklicherweise, möchte man fast sagen, denn das wäre das falsche Signal. Knivad sind so brutal und erdrückend wie möglich unterwegs und bringen selbst Crustcore an dessen Grenzen. Nichts hieran macht Mut, baut auf, weckt Hoffnung; „Lilla vackra människa“ ist desolat, brutal und unnachgiebig, wie das Leben selbst es manchmal auch sein kann. Die Spirale der Mutlosigkeit dreht sich auf dem zweiten Album der Schweden unaufhörlich, bis zur unvermeidbaren Katastrophe – ein herausforderndes Machwerk, auf das man sich einlassen muss. Es lohnt sich.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 10.09.2026
Erhältlich über: Suicide Records

Facebook: www.facebook.com/knivad

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Category: Magazin, Reviews

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