Khemmis – Khemmis

| 18. August 2026 | 0 Comments
Khemmis

(c) Brock Marlborough

Seit etwas über einem Jahrzehnt verpassen Khemmis epischem Doom Metal eine Frischzellenkur. Das Quartett aus Denver konzentriert sich auf die Ursprünglichkeit des Genres, bemüht vor allem Einflüsse der Erfinder und Dramaturgen und ließ zuletzt einen Hauch mehr klassische Heavyness einfließen. Dennoch hat ihr letzter Longplayer inzwischen fast fünf Jahre auf dem Buckel. Macht aber nichts, denn an Klasse hat man in all der Zeit rein gar nichts eingebüßt. Man wollte die Essenz des eigenen Sounds einfangen und zugleich eine Hommage an die Musikwelt an sich schreiben. Das Ergebnis heißt ebenfalls „Khemmis“ und verdient sich diesen Namen redlich.

Der Opener „Invocation Of The Dreamer“ bringt die alte, neue Magie auf den Punkt und zeigt, wo Khemmis 2026 stehen. Grandioser, hymnischer Gesang, majestätische Schwere und erstaunliche Brutalität zwischendurch machen Laune. Der heisere Schrei nebst Double-Bass-Salven zu Beginn führt hingegen komplett auf die falsche Fährte – nicht das letzte Mal, dass dieses oder ähnliche Stilmittel eingesetzt werden. Im direkten Anschluss zieht „Corpseboom Garden“ das Tempo ein wenig an, für Doom-Verhältnisse geradezu forsch und wütend. Dabei bleibt es aber keinesfalls, denn der gemächliche, majestätische Chorus steuert direkt wieder vertraute Gefilde an. Hingegen fallen die instrumentalen Abschnitte nebst Soli unerwartet proggig aus.

So ganz festlegen lassen sich Khemmis eben nicht, und das massive „Carrion King“ untermauert das. Hier wird den Growls eine prominente Rolle zugewiesen, finster und monolithisch als kleine Einstiegshürde. Schnell entwickelt sich ein weiterer anmutiger, bittersüßer Gigant, der giftige Funeral-Doom-Abschnitte neben bestens vertraute Doom- und Heavy-Metal-Hooks stellt. Das sollte eigentlich nicht funktionieren, ist alleine aus dramaturgischer Sicht aber bereits großes Kino. Die flotten Heavy-Exkurse in „Beneath The Scythe“ kommen ebenfalls gut, holen sich mehrstimmige Leads dazu und reiten einfach los. Dass sich dahinter eine schwerfällige Monstrosität mit nahezu balladesken Schlussminuten verbirgt, sollte eigentlich nicht mehr überraschen.

Pure Doom-Magie mit Old-School-Charme und moderner Wucht, das zeichnet Khemmis aus. Ihr selbstbetiteltes Album rückt noch eine Spur weiter in Richtung Heavy Metal, überschreitet diese imaginäre Grenze (noch) nicht und bietet somit den Stärken der vier US-Amerikaner die ideale Bühne. Mächtige Gesangsmelodien, donnernde Rhythmusabteilung, starke Riffs, monolithische Epik und erstaunlich forsche Tempoverschärfungen geben sich die Klinke in die Hand. Gelegentliche brutalistische Ausritte setzen dem Album schließlich das Sahnehäubchen auf. „Khemmis“ bringt alles, was die Band auszeichnet, auf den Punkt, und geht ohne Frage als kleines Wunderwerk bekömmlich-hymnischer Schwerfälligkeit durch.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 12.06.2026
Erhältlich über: Nuclear Blast (Warner Music)

Website: khemmisdoom.com
Facebook: www.facebook.com/khemmisdoom

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Category: Magazin, Reviews

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