Gaerea – Loss

| 19. März 2026 | 0 Comments
Gaerea

(c) Chantik Photography

Dieses Aufbrechen etwaiger musikalischer Fesseln war wohl nur eine Frage der Zeit: Bereits auf dem 2024 erschienenen „Coma“ hatten Gaerea begonnen, ihren Post Black Metal mit neuen, melodischen bis proggigen Elemente zu versehen. Mit dem Wechsel zu Century Media geht das portugiesische Quintett nun einen Schritt weiter. An Härte und Intensität wollen sie zwar nichts einbüßen, widmen sich auf „Loss“ allerdings verschiedensten Extreme-Metal-Spielarten, Post Rock und progressiv angehauchter Melancholie.

„Submerged“ fühlt sich in derlei Zwischenwelten wohl, geht mit entschiedener Intensität nach vorne und lässt doch dezente Melodik erkennen. Wieder und wieder sorgen kurze Zäsuren für feinfühlige Momente, bereiten den Weg für etwas klarere Vocals und reihen Borknagar-Extreme an hymnische Modern-Metal-Klänge. Dass dabei rein gar nichts an Härte und Eigentümlichkeit verlorengeht, spricht für die Band aus Porto. Die getragene Heavyness von „Phoenix“ legt Schwere auf die Musik und die Lyrics um, schleppt sich durch wuchtige und wütende Gefilde, scheint ab und an sogar in Richtung Post Metal und Sludge abzudriften, nur um mittendrin absolut abzuheben.

Im abschließenden Achtminüter „Stardust“ lehnen sich Gaerea schließlich komplett aus dem Fenster und setzen minutenlang auf intime, semi-balladeske Klänge sowie fragilen Klargesang. Bevor es ins Modern-Rock-Radio-Territorium geht, drehen die Portugiesen urplötzlich am Rad und packen einige der härtesten Passagen dieses Albums aus. Fortan entsteht ein kompromissloses, gerne widersprüchliches Wechselbad der Gefühle, das gleichzeitig in sämtliche Himmelsrichtungen ausstrahlt, sowohl beklemmende Prog-Momente als auch rasende Wut kanalisiert. Weitere wütende Wellenbrecher mit gelegentlicher mitreißender, semi-klarer Auflösung, darunter der packende Opener „Luminary“, treffen mitten ins finstere Herz.

Kein neu erfundenes Rad, dafür viele neue Ideen: Gaerea wagen viel und räumen ab. Post Black Metal ist und bleibt das Rückgrat ihres Sounds, wird jedoch offener denn je ausgelegt. Deutlich mehr Melodik, progressive Elemente, fast meditative Einschübe, hymnische Momente und andere Extreme-Spielarten gesellen sich hinzu und erzeugen eine im besten Sinne unvorhersehbare Platte, die sich wieder und wieder häutet. „Loss“ ist wunderbar komplex und schwerfällig, liegt verschiedenste Schichten frei und ergibt in seiner packenden Gesamtheit ein mitreißendes, höchst drückendes Pulverfass, dessen Detonation etwas näherrückt. Hier braut sich Spektakuläres zusammen.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 20.03.2026
Erhältlich über: Century Media (Sony Music)

Website: www.gaerea.com
Facebook: www.facebook.com/gaerea

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Category: Magazin, Reviews

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