I Promised The World – I Promised The World

(c) Ryan Johnson
Fünf Texaner, das älteste Mitglied gerade einmal 21 Jahre alt, und ein Sound, der in den frühen 2000ern – vor ihrer Zeit – durch die Decke ging. Die 2023 als Sinema gegründeten I Promised The World fühlen sich im störrischen, ruppigen und zugleich eingängigen Grenzbereich zwischen Post-Hardcore, Screamo, Metalcore und Emo hörbar wohl. Nach nur einer Handvoll Releases und Tourneen mit Koyo und Deafheaven klopften Rise Records an, wo nun die neue, schlicht „I Promised The World“ betitelte EP erscheint.
Die erste halbe Minute des Openers „Proud“ verläuft sich beinahe mit einer ruhigen, fragilen Melodie – bis zur urplötzlichen Eruption, kurz und schmerzvoll. I Promised The World reißen das Wechselspiel mit Laut-Leise-Dynamik an, zwischen wütenden Screams und Emo-Klargesang, während das Arrangement stets einen Fuß über dem Gaspedal schweben lässt und klaustrophobe Melodie-Ansätze mit kantiger, leicht vertrackter Heavyness verbindet. Der stockend hymnisch-derbe Schlussakt passt prima ins Bild. Danach rollt „A Pure Expression“ mit aller gebotener Wucht an, kotzt sich auf derbe Screamo-Weise ein und reiht Breakdowns an hymnische Circa Survive-Parts in tieferem Register. Stetes Hin und Her erschöpft auf beste Weise.
Noch mehr mutet sich „Bliss In 7 Languages“ zu, erinnert gerade in den Strophen an die Metalcore-Bands der frühen 2000er, bevor der komplexe und zugleich eingängige Chorus alles sogleich ad absurdum führt. Spoken-Word-Passagen, donnernde Zao-Druckwellen und störrischer Post-Hardcore runden den rastlosen Song ab. Im Vergleich dazu wirkt „Future Worth Dying For“ erst einmal tiefenentspannt, bevor das Ding aus dem gefühlten Nichts den Dampfkochtopf explodieren lässt und das nunmehr vertraute Wechselspiel zwischen räudigen und harmoniebedürftigen Extremen vorantreibt. Zum Abschluss geht es „Emerald Waltz“ vergleichsweise linear und eingängig an, arbeitet bevorzugt mit Midtempo-Melancholie und sehnsüchtigem Gesang, ja sogar mehrstimmigen Leads, auch wenn sich der Himmel zwischenzeitlich wieder und wieder kurz verfinstert.
I Promised The World gehen mit beeindruckendem Urverständnis an einen Sound heran, den sie nicht live miterleben konnten, und ringen diesem über zwei Jahrzehnte später erstaunlich frische Facetten ab. Ihre neue EP bewegt sich stets zwischen den Extremen, liebt komplexes Chaos und bleibt doch hängen. Die Songs sind schroff und abweisend, eingängig und einfühlsam zugleich, stoßen mit Anlauf ab und nehmen fest in den Arm, bevor gemeinsam der nächste Pit zerlegt wird. Mit diesem rückwärtsgewandten und zugleich futuristischen Screamo- und Post-Hardcore-Ansatz unterstreichen die jungen Texaner ihre eindrucksvollen Qualitäten. Hier braut sich ordentlich etwas zusammen.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 16.01.2026
Erhältlich über: Rise Records / BMG Rights Management (Universal Music)
Website: ipromisedtheworld.com
Instagram: www.instagram.com/ipromisedtheworld


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