Novembers Doom – Major Arcana

(c) Matthew Gregory Hollis
Die längste Wartezeit zwischen zwei Alben in der seit den späten 80ern andauernden Karriere von Novembers Doom ist endlich Geschichte. Tatsächlich hat „Nephilim Grove“ inzwischen knapp sechs Jahre auf dem Buckel und stammt aus einer Zeit, als diese Welt noch eine ganz andere war. Ihre mittlerweile zwölfte Platte legen die Urgesteine aus Chicago dafür gleich konzeptuell an und befassen sich mit Tarot und Prophezeihungen. Auf „Major Arcana“ gelingt es ihnen zudem, den düsteren Death-Doom-Sound noch weiter zu verfeinern.
Und das zeigt sich beispielsweise im imposanten Titelsong, der gleichermaßen majestätisch, schwerfällig und brutal heavy wirkt, epischen Klargesang mit gutturalen Funeral-Growls vermischt, während sich der Song selbst zwischen allerlei Extremen hin- und hergerissen fühlt. Das zeigt sich an den rohen, drückenden Drums, die einen spannenden Kontrast mit der monolitschen Wucht des Giganten bilden. Später tauchen vorsichtige, fast sonnige Melodiebögen auf, selbst für das fast obligatorische Gitarrensolo bleibt Platz. Letztlich schließt sich der imaginäre Kreis, wenn der Track zurück zu seinem Quasi-Leitmotiv findet und sukzessive implodiert.
Es geht aber auch ganz anders, wie der dramatische Achtminüter „Bleed Static“ unter Beweis stellt – schleppend, minimalistisch, kunstvoll und stellenweise proggig bis psychedelisch. Hier kommen Minimalismus, Understatement, sogar ein Hauch Folklore zusammen, von immerwährender Traurigkeit wie ein imaginärer scharlachroter Faden durchzogen. Den kennt „Ravenous“ nicht und schraubt stattdessen den Härtegrad deutlich nach oben – roh und urgewaltig, im tödlichen Dark Metal beiheimatet und zugleich räudige, fatalistische Extreme schätzend. Die wieder und wieder in den Vordergrund tretende Lead-Gitarre ringt vergeblich um Fassung. Mit dieser hat auch „Dusking Day“ zu kämpfen, bevor es von einem wahren Stimmgewirr regelrecht erdrückt wird und peitschenden Drums die hohe Stirn bietet.
Laut, selbstbewusst und konzentriert gehen Novembers Doom ihren Weg weiter, stolze 36 Jahre nach ihrer Gründung. Musikalisch gibt es keine großen Überraschungen, wobei das konzentrierte Spiel mit den Stellschrauben auf ganzer Linie aufgeht. Mehr Wut, mehr Epik, mehr Melodie und der weiterhin ausgeprägte Hang zu kleineren Experimenten motorisieren das Quintett nach all der Zeit, von kurzweiligen konzeptuellen Ideen ganz zu schweigen. „Major Arcana“ ist groß, wuchtig und vielschichtig, reizt den eigenen Sound und die eigenen Möglichkeiten weiterhin mit spürbarer Begeisterung aus und bringt zugleich alles mit, was man sich von den Urgesteinen erhofft. Mehr braucht es nicht zum deprimierenden großen Glück.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 19.09.2025
Erhältlich über: Prophecy Productions
Facebook: www.facebook.com/NovembersDoom1989


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