Barrens – Corpse Lights

(c) Erika Larsson
Als (Live-)Teil von Scraps Of Tape lernten sie sich kennen, als gemeinsame Band streben sie höchsten Höhen entgegen: Mit „Penumbra“ debütierten Barrens vor knapp fünfeinhalb Jahren – eine schwierige Zeit für neue Musik – und brannten sich mit ihrem rein instrumentalen Post Rock sofort im kollektiven Unterbewusstsein ein. Der Nachfolger dauerte eine ganze Weile, wollte gut durchdacht und ausgearbeitet werden. Nun liegt „Corpse Lights“ – eine Bezeichnung für Lichter, die vor den Häusern Sterbender auftauchen und diese zu ihrem finalen Ruheort begleiten sollen – in all seiner Pracht vor.
Nach dem sanften verlängerten Intro „Memory Eraser“ stampft „The Derelict“ unerwartet schroff, fast metallisch auf. Diese donnernde Wucht kommt überraschend, passt aber ebenso erstaunlich gut ins Bild. Monolithische Intensität, beklemmende Töne und nahezu cineastische Atmosphäre bringen eine gewisse Düsternis in den Sound der drei Schweden ein, überlanges Crescendo inklusive. Im Vergleich dazu wirkt „Collapsar“ fast luftig, doch irgendwie auch nicht. Hier darf sich das Arrangement öffnen, gerade in den ruhigeren Passagen mit getriebenen Drums und sanft fließenden Gitarren, nur um im richtigen Moment mit lauten, fieberhaften Ecken und Kanten aufzuwarten.
Magische Momente hat diese Platte in Hülle und Fülle. Wie in „Sorrowed“, dessen Uptempo-Drums selbst in den gemäßigten, fast melancholischen Abschnitten als fieberhafter Motor dienen – ein Kunstgriff, den Barrens gerne und mit großem Erfolg anwenden. Feinsinnige Melodien, ein falsches Ende, gekonnte Reduktion und das mächtige, lautmalerische Finale decken alles ab, was man sich im Post-Rock-Bereich erwartet. „A Nothing Expands“ bringt ebenfalls die grundlegenden Zutaten mit, bloß lauter und lärmender. Die schroffe, unwirtliche Präsentation steht im Kontrast zu den versuchten himmlischen Einschüben, die jedoch letztlich ins Nichts abdriften und dem abschließenden Fausthieb den nötigen Freiraum lassen.
Wer Bands wie Mono, Collapse Under The Empire und pg.lost mag, wird Barrens lieben. Der Post Rock des zwischen Göteborg und Malmö ansässigen Trios bedient insgesamt eine nachdenkliche bis melancholische Schiene, ohne jedoch auf die nötigen Kontraste zu vergessen. Luftige Gitarren, metallische Härte, forsches Uptempo-Drumming, Noise-Ansätze und betont offen gehaltene Klangbögen finden prima zusammen. Die Mischung stimmt, geht an die Substanz und wirbelt das Kopfkino mit wachsender Begeisterung durcheinander. Barrens zeigen sich ein zweites Mal von ihrer besten Seite, beim nächsten Mal hoffentlich einen Hauch schneller.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 12.09.2025
Erhältlich über: Pelagic Records (Cargo Records)
Facebook: www.facebook.com/BARRENStheband


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