Million Moons – I May Be Some Time

| 5. Juli 2024 | 0 Comments
Million Moons

(c) Million Moons

Sie benötigten gerade einmal ein Album, um sich als neue potenzielle Meister der instrumentalen Erzählkunst zu etablieren: Million Moons landeten vor zwei Jahren mit „Gap In The Clouds“, einer einfühlsamen Auseinandersetzung mit einsetzendem Alzheimer, einen kleinen Volltreffer. Der Nachfolger widmet sich einer dem Untergang geweihten Expedition zur Erreichung des Südpols unter Robert Falcon Scott, der alle fünf Teilnehmer zum Opfer fielen. Captain Lawrence Oates opferte sich, um seinen Mitstreitern zu helfen. Seine überlieferten letzten Worte: „I May Be Some Time“.

Frostig, groß und letztlich doch von einer gewissen Aussichtslosigkeit geprägt, bäumt sich dieses Album auf. „Uncharted Waters“ nimmt sogar noch so etwas wie Aufbruchsstimmung mit, die jedoch schnell, sehr schnell verhallt. Die anfängliche Euphorie weicht Schritt für Schritt emotionaler Schwere, die langsam, aber sicher von der Realisierung der gewaltigen Dimensionen dieses Unterfangens eingeholt wird. „Intruders In A Strange World“ könnte das Motto dieses Unterfangens sein und ringt mit einer unwirtlichen Umgebung. Geradezu metallische Eruptionen symbolisieren den Kampf gegen die Elemente.

Das Herzstück ist allerdings der Titelsong, diese Heldentat der Verzweiflung, die letztlich doch umsonst war. Million Moons setzen „I May Be Some Time“ mit Anmut um, hymnisch und mächtig, von Eiseskälte und Herzenswärme umgeben. Das große Finale, „Aurora“, lässt hingegen beinahe idyllische Ruhe einkehren, nach dem zum Scheitern verurteilten Überlebenskampf. Zartes Leuchten am Polarhimmel beschreibt die Ruhe nach dem Sturm, bevor ein erhabener Abgang mit aller gebührenden Ehrfurcht und emotionalen Schwere einen der schönsten und klassischsten Post-Rock-Momente des gesamten Albums lostritt.

Was Million Moons auf ihrem zweiten und mit Sicherheit nicht schwersten Album abziehen, ist ganz große Klasse. Das Trio aus der britischen Hauptstadt versteht es, sich in das Gefühlschaos seiner schweren Themen hineinzuversetzen und diesen respektvollen Ausdruck zu verleihen, fernab von Sensationsgier oder Effekthascherei. „I May Be Some Time“ wirkt wie ein Monument an eine menschliche Tragödie, ein Mahnmal der Elemente und zugleich eine Sammlung unfassbar guter Epen aus der Westentasche, die ohne eine einzige Textzeile alles sagen. Million Moons servieren Post Rock allererster Klasse und legen ohne Frage eines der besten (Genre-)Alben seit längerer Zeit hin.

Wertung: 9/10

Erhältlich ab: 05.07.2024
Erhältlich über: Ripcord Records

Facebook: www.facebook.com/millionmoonsband

Slider-Pic (c) Million Moons

Teile diesen Artikel

Tags: , , , , ,

Category: Magazin, Reviews

Demonic-Nights.at - AKTUELLES