Ithaca – They Fear Us

| 29. Juli 2022 | 0 Comments
Ithaca

(c) Martyna ‚Gingerdope‘ Bannister

Mit einem gewaltigen Hallo pflügten Ithaca vor dreieinhalb Jahren durch die Lande. „The Language Of Injury“ war ein störischer, brachialer und zugleich ausdifferenzierter Einstand, der metallischen Hardcore neben Chaos und finstere Harmonie stellte. Was damals etwas stotternd loslegte, hatte nun Zeit, um zu wachsen und zu gedeihen. Auf „They Fear Us“ geht es den Brit*innen um innere Kraft, um Stärke und Rache, auf persönlicher wie auf gesellschaftlicher Ebene.

Zu Beginn widmen sich Ithaca vor allem der Brachialgewalt. „In The Way“ bewegt sich an der Grenze zu Hardcore und Metalcore, von wütendem Chaos durchzogen und mit Stakkato-Attacken glänzend. Und dann kommt der gewaltige, eingängige Refrain. Spielerisch wechselt Djamila Boden Azzouz von infernalen Screams zu hymnischem Gesang mit Pop-Appeal – ein krasser und doch gekonnter Stilbruch. Im Titelsong „They Fear Us“ gibt es mehr von allem. Das Aggressionslevel erreicht nahezu unerträgliche Sphären, der leicht proggie Twang im Hauptteil vermittelt etwas Erhabenheit, die instrumentalen Exkurse sind nur ein paar Tweaks von Djent-Urgewalt entfernt.

Gegen Ende des Albums setzen sich hingegen ganz andere Klänge durch. Zunächst traumwandelt „You Should Have Gone Back“ durch ellenlange instrumentale Aufbauten, die sogar Post Rock mitnehmen, bevor sich Boden Azzouz in nervösen Post-Hardcore-Gefilden durch melancholische Abfahrten brüllt. Nach einer weiteren Zäsur nimmt der Gesang ätherische, meditative Qualitäten auf. Schließlich verzichtet „Hold, Be Held“ nahezu komplett auf Wut und bemüht sich um Schönklang, um retrolastigen Prog Rock mit ein paar neueren Zwischentönen. Irgendwo zwischen all diesen Extremen findet „Camera Eats First“ den eigenen Weg – beißend und drückend, aber auch power-poppig in den richtigen Momenten.

Angesichts mitunter krasser Stilbrüche innerhalb einzelner Songs müsste „They Fear Us“ schizophren bis undurchdringlich anmuten, doch ist das sicherlich nicht der Fall. Im Gegenteil, die fokussierte musikalische Pluralität, die bereits auf dem Debüt aufflackerte, kommt nun so richtig durch. Auf dem zweiten Album finden Ithaca zu sich – musikalisch wie persönlich – und erschaffen emotionale Kaskaden, präzise vertont und im besten Sinne unberechenbar. Gekonnt gesetzte Stilbrüche, hymnische Momenten, ätherische Fanfaren und ruppige Brachialgewalt geben sich die Klinke in die Hand. Als Abbild der Gesellschaft, als Kampf mit dem eigenen Selbst und für die eigene Zukunft entwickelt sich „They Fear Us“ zum Siegeszug auf ganzer Linie und hievt Ithaca auf ein neues, mehr als verdientes Level.

Wertung: 9/10

Erhältlich ab: 29.07.2022
Erhältlich über: Hassle Records (Cargo Records)

Facebook: www.facebook.com/IthacaUK

Slider-Pic (c) Martyna ‚Gingerdope‘ Bannister

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Category: Magazin, Reviews

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